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Ginoz

Minister für Wahrheit und Wohlbefinden

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  • »Ginoz« ist der Autor dieses Themas

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Donnerstag, 10. Juli 2014, 21:16

Benzin - Eine Detailbetrachtung

Servus beisammen,

Wenden wir uns mal einem der weniger bekannten R+-Titel und einem der anscheinend unbeliebtesten Handlungsvideos Benzin.
Wie bei manchen anderen Titeln des Sextetts findet sich erstmal keine wirkliche Verbindung aus Bild und Text. Gut, beides hat ja irgendwie mit Feuer zu tun. Da das Video doch jetzt schon recht originell ist, dürfte da mehr dahinterstecken.

Zum Text:
Wovon handelt der Text, das ist schonmal eine der ersten großen Fragen. Ja, es geht um Benzin, diesen Treibstoff, für den deutsche Tankstellen immer horendere Preise benötigen. Der Ich-Erzähler spricht von einer Leidenschaft, mit der er hinter Brennstoffen, Sprengstoffen, Schmiermitteln und Ölprodukten Industriestoffen her ist (Benzin, Terpentin, Kerosin, Nitroglyzerin, Vaseline). Menschliche Konsummittel werden hierbei abgelehnt (Alkohol, Koffein, Niktoin, Sexualität, etc), bis sich die Person letztlich selbst als Maschine bezeichnet:

Gib mir Benzin
Es läuft in meinen Venen
Es schläft in meinen Tränen
Es läuft mir aus den Ohren
Herz und Nieren sind Motoren

(Damit wären wir wieder mal bei der Schnittstelle aus Rammstein und des expressionistischen Stils, dessen Hauptthemen, die Zerstörung und die industrielle Entmenschlichung finden sich beide im Text.)
In einem suchtähnlichen Zyklus entmenschlicht sich der Ich-Erzähler und wird mehr und mehr zur Maschine, was neben dem Text auch in der Instrumentalisierung hörbar wird, die wieder das typische Rammstein-Element, das Nachahmen von Industriemaschinen hat.

Eine weitere wichtige Stelle findet sich in der Bridge:

Willst du dich von etwas trennen;
Dann musst du es verbrennen!
Willst du es nie wiederseh'n,
Lass es schwimmen in Benzin!

Weitergedacht von der Theorie der Entmenschlichung würde das bedeuten, dass der Ich-Protagonist endgültig zur Maschine werden möchte und dafür seine letzten menschlichen Überbleibsel verbrennen bzw. in Benzin schwimmen lassen möchte, um sie endgültig zu vernichten.
Die endgültige Entmenschlichung findet sich hierbei jedoch nicht, bleibt dem Ich-Erzähler immer noch die fanatische Leidenschaft, die ja nunmal menschlich ist ;)

Eine andere Interpretationsmöglichkeit würde das Thema Antriebslosigkeit bilden. Die Person sucht einen Treibstoff mit dem sie immer schneller und immer besser werden möchte. ALkohol als "normales" Mittel wird abgelehnt. Interessant ist diese Theorie im Bezug auf die derzeitige Diskussion um Crystal Meth, schließt die Person schließlich nur Halluzinogene und ein leichtes Aufputschmittel für sich aus, während der eigentliche Treibstoff in immer größerer und intesiverer Menge vorhanden sein muss. Hilfe wird hierbei abgelehnt.
Die Bridge kann hierbei als Symbol der Zerstörungskraft von Drogen gewertet werden.

Die dritte Variante bezieht sich auf die Band an sich und der Hang zur Pyrotechnik und könnte die ANgst bezeichnen, dass einerseits alles nur noch von Benzin bestimmt wird und die Pyrotechnik der einzige Antrieb bleibt, die Band sich evtl zur lediglichen Kommerzmaschine wandelt.

Kleine Anmerkung: Kerosin ist nicht explosiv (zur Zeile: Explosiv wie Kerosin - Mit viel Oktan und frei von Blei), Benzin dagegen schon.

Zum Video
Wir sehen fünf der Rammsteiner als versiffte Feuerwehrleute. Der Alarm geht (endlich) los und die fünf stürzen sich ins Gefecht und fahren in einem riesigen getunten Feuerwehrauto zum Einsatzort. Währenddessen versinken sie in Ruhmesträume und verwüsten die gesamte Gegend. Aufgrund ihrer kaputten Ausrüstung gelingt es ihnen nicht, das Opfer (ein Selbstmörder) zu retten.


Wie kann man das Video werten? Es ist eine Geschichte über die Hoffnung nach der Möglichkeit, sich zu beweisen und dann doch zu scheitern. Gleichzeitig ist es eine expressionistische Groteske. Diejenigen, die eigentlich die Bürger schützen solle, sind es, die den größten Schaden anrichten.
Sie alle fünf träumen von Ruhm und Szenarien, in deren Ende sie schließlich Helden sind.
Wo liegt die Verbindung zum Text?
Nun, wir haben einerseits den schönen Gegensatz (Benzin= Feuer || Feuerwehr), der aber auch in der Realitöt zu finden ist. Pyromanen als Feuerwehrleute sind da ein Beispiel.
Auf der anderen Seite können wir deuten, dass in ihrem sinnlosen Dasein diese Feuerwehrleute Ewigkeiten an dem betreffenden Fahrzeug gebastelt haben. Es ist Teil von ihnen und wahrscheinlich im Brandfall die perfekte Möglichkeit. Es ist ausgebaut bis zum Geht-Nicht-Mehr und wohl auch eine wahre Benzinschleuder. Während sie darin sitzen, sind sie faktisch Teil dieses Gerätes, weswegen Benzin (wobei eigentlich Diesel ;)) durch ihre Venen läuft.
Das Ganze ist am Ende jedoch vollkommen sinnlos, sie richten nur Schaden an und auch das Gerät kann ihnen letztendlich nicht helfen.

Was die Drogentheorie angeht:
Im Traum an ein ganz bestimmtes Ziel kommt es vor, dass man sich absolut hineinsteigert, wie auf Droge ist. Man steckt Energie in die bloße Möglichkeit und fühlt sich, als laufe Benzin durch seine Venen. Dennoch hat man sich in der Theorie vorbereitet oder träumt einfach davon, anstatt sich sinnvoll vorzubereiten. Das Scheitern ist das Resultat. Kann man das Video nicht auch so werten?


Zum Ende hin komme ich zudem Schluss, dass Video und Text nun wirklich sehr schwer vereinbar sind und eigentlich für den eigentlichen Genuss nicht zusammenpassen. Es ist (expressionistische) Kunst, aber dennoch ein schwächeres Video, aus dem man hätte mehr rausholen können. Handwerklich gut realisiert (so gut war die Technik ja nun auch wieder nicht), aber dennoch in kausalem Zusammenhang defizitiär.
Alternativen, die näher an Tills Idee des Benzinschnüfflers hätten dem Video sehr gut gestanden und wahrscheinlich auch den Erfolg vergrößert.

Auch wenn das nicht formal zur Analyse gehört:
Mir hätte ein Szenario ala Fight Club gefallen. Der Mitarbeiter einer Firma, der sich nicht mehr alles gefallen lässt (Benzin im Blut hat), weil er einen neuen Weg der Erfüllung gefunden hat.
Mich interessiert kein Gleichgewicht
Mir scheint die Sonne ins Gesicht
Doch friert mein Herz an manchen Tagen
Kalte Zungen die da schlagen
...