Beiträge von Master of Desaster

    Irgendwie stosse ich so langsam auch an meine Grenzen, was die ganzen Ekeleien von Till angeht. Dieser ganze sexualisierte Content in letzter Zeit, ich dachte eigentlich im Alter wird man ruhiger :D .


    An sich finde ich das Album musikalisch gut, die Videos gehn mir aber nicht so ab . Während die Rammstein Musikvideos immer anstössig, aber ästethisch gut verpackt und vielseitig interpretierbar waren, sind die Lindemann Videos einfach nur eklig. Sie werten die Musik auch nicht wirklich auf, sondern scheinen schlicht provozieren zu wollen. Auch drehen sich die Themen immerwieder im Kreis. Es geht um sexuelle Tabubrüche, für die Till dann später psychisch oder physisch bestraft wird. will er uns damit irgendwas sagen ? verarbeitet er gerade was ? Steckt er vielleicht aktuell in seiner Midlife Crysis? Oder hat er einfach zuviele Groupies privat getroffen ?


    ich weiß es nicht, aber gesund kommt mir das nicht vor. Wo ich früher noch die Kunstperson Lindemann mit der Privatperson strickt getrennt hatte, scheinen die Grenzen gerade zu verschwimmen.
    Till kann ja machen was er will, aber mein Fall sind diese Videos nicht. Rammstein wirkt dagegen fast schon wie Mainstream.

    Meine Interpretation würde aber auch in deine Richtung gehen Diaboula:

    Nämlich dass es in dem Song nicht um einen klassischen Vergewaltiger geht, sondern um diese Machos/ Lustmolche etc. Gerade in Führungsposition hat dieses Machotum, man denke an MeeToo in Hollywood, Weinstein, Epstein oder damals schon Berlusconi für reichlich Vorwürfe der sexuellen Belästigung/ Vergewaltigung gesorgt.

    Dabei sind es immer die gleichen Rechtfertigungen dieser selbsternannten meist auf die 60 Jahre zugehenden Jigolos (ich war ein wahrer Frauenheld), welche Till hier mit diesen Lied persifliert. Gerade das Argument: Sie wollte es doch auch (manche hauchte leise nein, das kann man so sehen oder so, man sagt ich hätte sie gezwungen, die Wahrheit liegt dazwischen wohl), greift Till dabei besonders oft auf. Dazu noch die Melodie dieses südländischen Tangos, das passt schon alles zu diesem klassischen heißblütigen Gigoloverständnis (gefallen in ein Meer aus Libido) dieser alternden Herren.


    Na ja und weil viele dieser Gestalten mittlerweile im Knast sitzen, ist dieses Video wohl Tills Art den Opfern eine Art Rachefantasie zu leifern, ich glaube letztens wurde auch erst einer von denen Tod in seiner Zelle gefunden. Übrigens seht die Folter im Video sehr echt aus, ich würde es Till zutrauen, dass er sich wirklich von diesen zwei Kaputzengestalten hat zusammenschlagen lassen...


    Außerdem sehe ich, wie Diaboula es schon anmerkte, ebenfalls eine Art selbstironische Komponente in dem Video. Gerade ein Abschnitt erinnert sehr an den silberangesprühten Till aus der Zeit von 1997 vom Sehnsuchtalbum , wie er hier die vor ihm liegende Frau verführt. Daneben dann der alte Till der im Knast zusammengeschlagen wird.

    Na ja weiß nicht, ob man das anhand eines direkten Vergleiches so sagen kann. Finde in Rosenrot gibt es verdammt geile Songs (Rosenrot, Mann gegen Mann, Spring), aber leider auch komplette Totalausfälle (Ein Lied, Te quiro puta). Steichholz hat vielleicht nicht so eine hohe Spitze, bricht aber nach unten hin nicht so weit aus. Finde dort eigentlich jeden Song mindestens ziemlich okay. Natürlich alles Geschmackssache :)

    Ich habe mich die letzten Tage mal etwas im Internet durchgelesen und festgestellt, dass F&M nur recht durchschnittlich bis wohlwollend von den meisten Fans eingeschätzt wird. Eigentlich recht ähnlich zum aktuellen Rammstein Album, dabei waren beide Alben eigentlich sehr gelungen betrachtet man sie nüchtern, gerade im Vergleich zum z.B. eher unterdruchschnittlichen Rosenrot.


    Ich denke die Probleme vieler liegen hier eher im Marketing als an der Qualität. Dadurch, dass im Vorfeld schon so viele Songs veröffentlicht wurden, blieb der große Knall nach dem Release aus. Bei den Vor-Veröffenlichungen handelte es sich zudem, um gerade jene Songs, wo man sich schon im Vorfeld sicher sein konnte, dass Rammsteinfans diese abfeiern würden (Deutschland, Radio, Steh auf, Knebel).

    Joa und dann bekommen die Fans halt bei Release ein Album, dass nur noch zur Häfte neu ist. Und das dann zudem aus Liedern besteht, welche im 2. Teil eher Balladen darstellen bzw. recht experimentell ausfallen.


    Bei F&M z.B. bleibt dann eigentlich nur noch Allesfresser ( und das war eigentlich auch schon bekannt) und ggf. noch Blut als Save Songs übrig. Über alle anderen Neuveröffentlichungen lässt sich hingegen streiten:

    Ach so Gern: experimenteller Tango

    Schlaf ein: Ballade

    F&M: lustiges Mainstreamlied

    Gummi: vulgärer Text

    Platz Eins: experimenteller 80er Jahre Techno

    Wer weiß das schon: experimentelles opernähnliches Lied


    Ich denke bei allen obengenannten Songs war es nicht sicher, ob Rammsteinfans diese abfeiern würden und wenn bei diesem Rest dann dem Höherer nur die Hälfte gefällt, entsteht eben der Eindruck von einem durchwachsenen Album. Ich denke Rammstein/ Lindemann tut sich keinen Gefallen mit dieser Releasepolitik. Stellt euch mal vor, man hätte Deutschland oder eben Knebel/ Steh auf erst mit dem Albumrelease selbst veröffentlicht. Der Gesamteindruck zum Album wäre wesentlich besser ausgefallen, außerdem wäre der Release in aller Munde gewesen gerade. So aber hatte man in beiden Fällen schon den Großteil der Munition im Vorfeld verschossen und Erwartungen geweckt, die am Ende den ein oder anderen enttäuscht zurückgelassen haben.

    Herzeleid: Das alte Leid (Nicht komplett verkehrt, aber irgendwie sehr stumpf und unästhetisch zu hören)


    Sehnsucht: Eifersucht (Bis auf die nette Grundidee Fressneid mit Eifersucht in Verbindung zu setzen langweilig umgesetzt und ziemliche Durchschnittskost.)


    Mutter: Rein Raus (Rein musikalisch kann ich dem Stück schon was abgewinnen, der Text ist aber ziemlich fremdscham)


    Reise, Reise: Morgenstern (Schwierig zu sagen, finde das Album hat eigentlich nur gute Stücke. Z.B. auf Herzeleid würde Morgenstern im oberen Mittelfeld für mich liegen. Auf Reise, Reise landet es aber aufgrund, der anderen noch besseren Songs ,eben nur auf dem letzten Platz. Trotzdem Morgenstern hat eigentlich einen super Text und auch die Idee mit den Chor gefällt mir).


    Rosenrot: Ein Lied (Musikalisch und textliche laaaaaaaangweilig, hier gefällt mir einfach nichts dran. Wahrscheinlich sogar das schlechteste Rammsteinlied überhaupt für mich)


    LIFAD: Roter Sand (Den Ansatz des Songs finde ich zwar interessant. Irgendwie kommt das Lied aber nie so richtig in fahrt und textlich lässt das Stück, gerade zum Ende hin, stark zu wünschen übrig -Weiße Tauben laben sich an meinem Blut :D-. Außerdem gefällt mir, die herrlich provokante Liese Version wesentlich besser)


    Album 7: Diamant (Ich mag den Song mittlerweile wesentlich lieber als noch damals und finde, wenn man das Ganze als eine Art Gedicht betrachtet, Diamant gar nicht mal so schlecht. Allerdings viel zu kurz und irgendwie kommt das Lied nie so wirklich in Fahrt.




    Als kleinen Bonus hier noch Lindemann ^^:


    Skills in Pills: That´s my Heart (für mich die lange Version von Ein Lied. Wieder super langweilig, wobei etwas besser als ein Lied ist es schon)


    F & M: Mathematik: (Jaa das Album ist noch nicht raus. Wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass dort noch ein schlechteres Höhrerlebnis folgen wird. Rein von der Idee her, finde ich es super, wie Till Hafti und Co auf die Schippe nimmt. Leider ist es echt kein Genuss Till mit 0% Rapflow hier musikalisch rumstolpern zu hören).

    Da gebe ich dir recht, wer behauptet bei Till / Rammstein / Lindemann geht es nur um Sex bzw. Gewalt, der kommt über die erste Ebene oft nicht hinweg. Man kann allerdings nicht abstreiten, dass in nahezu 90% von Tills Werken sexuelle bzw. gewalttätige Motive gibt. Weiß man manchmal nicht, wie man einen Song interpretieren soll, passt meistens z.B. die sexuelle Lesart. Häufig ist das aber nur die äußere Verpackung und man muss sich genauer mit den Songs beschäftigen, um das eigentliche Thema zu erfassen.


    Beste Beispiele: Halt in dem es nicht nur um einen Amoklauf geht, sondern auch um die Umweltverschmutzung oder eben Sex, in dem es nicht nur um um Sex geht, sondern um eine Welt, die immer oberflächlicher und primitiver wird.

    Master of Desaster : Wer sagt, dass das Video die tatsächliche Textintention darstellt? Das Lied wurde vor über zwei Jahren geschrieben und das Video ist von Zoran, der Songs gerne nachträglich noch einen Twist oder eine neue Interpretationsebene gibt, das Video kann sicherlich mit dem Song zusammen gesehen werden, aber von dem einen aufs andere zu schließen ist sehr kurzsichtig.
    Ich habe den Song schon damals, als ich ihn zu H&G-Zeiten gehört habe, so interpretiert, dass es einfach darum geht, dass der Mensch sich entweder der Ungerechtigkeiten der Welt nicht wehren kann, weil all die schönen Dinge, an denen man sich erfreuen kann, ihm wie ein Knebel im Mund stecken ("Nun beschwer dich nicht, du hast es doch so gut"), dass es all die schönen Dinge gibt, aber er deren, ob seiner (finanziellen, biologischen, whatever) Schwäche nicht habhaft werden kann, oder dass es eben, ganz wie es im Theaterstück auch gezeigt wurde, einfach nur um eine sarkastische Bestandsaufnahme eines (nicht zwangsweise sexuellen) Dominanzverhältnisses geht. Der Text ist relativ vielseitig, was das angeht, finde ich.

    Deine Interpretationsansätze gefallen mir gut :thumbup:. Ich geb dir recht, beim Text erkennt man wieder ganz klar, dass er von Till geschrieben wurde und hier wieder Spielraum für verschiedene Interpretationsansätze offen bleibt. Ich wollte auch gar nicht behaupten, dass sexuelle Dominanz die einzige Deutungsrichtung des Liedes ist. Diesen Interpretationsansatz konnte ich aber am ehesten im Videomaterial erkennen. Das schließt natürlich andere Interpretationen nicht aus. Im Gegenteil Till sorgt bei den meisten seiner Werke immer und sehr bewusst für Interpretationsspielraum, dieser ist bewusst erwünscht und gewollt.


    Bei Steh auf ist das ja ähnlich. Auf den ersten Blick haben Video und Text nicht viel gemein, bei bestimmten Interpretationsansätzen passt beides aber wieder sehr gut zusammen. Ich denke hier bei Knebel ist es ähnlich. Text und Song passen zueinander, man muss nur eben ein wenig Denkarbeit leisten.

    Jetzt bleibt nur noch die Frage, was mit dem Knebel im Mund gemeint ist ?


    Der Aal oder der Intimbereich der Frau ? :D Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass der Aal gewisse Parallelen zu männlichen Geschlechtsteilen auffweist...


    Denke in dem Lied gehts um Dominanz. Das würde auch erklären, warum man erst die Frau als Gefange sieht und später dominiert sie dann als creepy Wassermonster die Männer. Würde dann wohl auch den Songtitel erklärten. Bei Knebel/ Fesselspiellchen im Bett können sich ja auch mal die Rollen im Vergleich zum Alltag drehen ;)

    Interpretation zu Halt


    Lang ist mal wieder her ;), diesmal werde ich den Song "Halt" näher beleuchten. Über das Album Lifad kann man ja halten was man will, ich glaube die meisten sind sich aber darin einig, dass die Bonustracks alleine schon ein Highlight waren. "Halt" bildet dabei keine Ausnahme und ist nach "Donaukinder" das beste Lied auf der Bonusdisk. Gerade der Liedtext ist dabei besonders spannend, da man diesen (genau wie Waidmanns Heil) komplett doppeldeutig interpretieren kann.


    So könnte es einerseits, um eine psychisch kranke Person gehen, welche ggf. eine starke Sozialphobie hat und von der Gesellschaft ausgegrenzt und misshandelt wird. Andererseits könnte es in "Halt" aber auch um die personifizierte Erde gehen, die eben von der Menschheit immer weiter ausgebeutet und zerstört wird...


    "Ich bin jetzt anders, sie haben mich geändert
    Doch ich bin immer noch der Meinung:
    Es gibt zu viele Menschen"


    Bezogen auf einen psychisch kranken Menschen, könnte diese Person frisch aus der Psychiatrie entlassen worden sein. Sie wurde offiziell resozialisiert (sie haben mich geändert), die Wurzel der Erkrankung besteht aber dennoch weiter (Es gibt zu viele Menschen). Diese Person wird nun auf die Gesellschaft wieder losgelassen, dieser Aussicht begegnet sie pessimistisch.

    Gehen wir von der Erde aus, wurde diese von den Menschen so verändert, dass sie nun die optimale Umgebung darstellt. Gebäude, Infrastrukturen usw. wurden gebaut. Zudem wurden menschenfeindliche Einflüsse wie die Tiere oder Naturgegebenheiten so weit vertrieben oder geändert, dass scheinbar alles meschenfreundlich ist (sie haben mich geändert). In Wirklichkeit ist die Erde aber noch ein Teil der Natur und die Veränderungen der Menschheit nur oberflächlich, dabei ist der Planet eigentlich nicht darauf ausgelegt, dass es so viele (zu viele) Menschen gibt...


    Ich kann sie nicht ertragen, sie quälen mich mit Scherzen

    Doch das Übel an Geräuschen ist das Schlagen ihrer Herzen!

    Da die psychisch erkrankte Person nicht in die gesellschaftliche Norm fällt, wird sie gemobbt bzw. verspottet (quälen mich mit Scherzen). Ich glaube jeder kennt das von der Schule ...., auch Erwachsene fügen sich gegenseitig seelische Schmerzen zu bzw. grenzen Personen aus, die anders sind. Dies findet häufig dann nur versteckter statt. Da diese Personen nur Ablehnung von ihrer Außenwelt gewohnt ist, hat sie wahrscheinlich eine Sozialphobie entwickelt. Die alleinige Präsenz anderer Menschen (also das Schlagen ihrer Herzen) ist ihr somit schon unangenehm und löst bei ihr Panik aus.

    Ähnlich kann man dies auch auf die Erde übertragen. Dadaurch dass die Menschen die Erde verändern, fügen sie dieser auch schaden zu. Gewässer werden vergiftet, Wälder gerodet, die Luft verschmutzt, Tiere ausgerottet... Die Menschen sind somit in den Augen der Erde eine Art Parasit bzw. Krankheit, die erst langsam bzw. lästig beginnt (quälen mich mit Scherzen). Mit der steigenden Anzahl an Menschen wird dies aber schlimmer (schlagende Herzen)

    Halt! Bleibt stehen!

    Ich kann es nicht, nicht ertragen!
    Hört auf zu schlagen!

    An dieser Stelle setzt der Refrain ein. Sowohl die psychisch kranke Person als auch die Erde wünschen sich, dass die Menschen stehen bleiben sollen. Bleibt stehen ist dabei eine interessante Wortwahl, denn diese kann doppelt gedeutet werden. Einmal dass die Meschen stehen bleiben, indem sie nicht mehr weiter gehen sollen. Bezogen auf die psychisch kranke Person, wünscht sich diese wahrscheinlich, dass sich ihr keine Menschen nähern und sie alleine bzw. in frieden gelassen wird.

    Bezogen auf die Erde kann das bleibt stehen aber auch auf den Herzschlag der Meschen bezogen sein. So wünscht sich die Erde, dass die Menschen sterben, da sie diese als eine Art Krankheit ansieht. Die gleich Doppeldeutigkeit lässt sich weiterhin aus dem Satz (hört auf zu schlagen) interpretieren. Der psychisch Kranke wird also vielleicht von seiner Umwelt misshandelt also geschlagen. Hierbei wird auch eine Steigerung deutlich, waren es erst noch Scherze, mit denen dieser Mensch verspottet wurde, wir er nun physisch misshandelt. Bezogen auf die Erde, wünscht sich diese wieder, die Herzen der Menschen würden doch bitte aufhören zu schlagen..

    Seht ihr nicht, mir geht's nicht gut


    Sowohl der psychisch Kranke als auch die Erde leiden unter den Menschen. Die Warnsignale sind da, doch niemand scheint darauf Rücksicht zu nehmen bzw. ggf. werden diese Anzeichen auch lieber ignoriert, als sie mit solch komplexen Problemlagen befassen zu müssen.


    Wie sie sich vermehren, sie kommen über mich in Scharen

    Ich kann sie nicht ertragen


    Nach dem Wort vermehren folgt das Wort kommen, bei Till ist das sicher kein Zufall :D. Aber es macht auch durchaus Sinn. Die Menschen vermehren sich nämlich ständig weiter und kommen bzw. haben deswegen Sex auf der Erde. Somit werden immer weitere Menschen erzeugt. Die Erde wird dabei förmlich überrannt von Personen (kommen über mich in Scharen). Schon jetzt herrscht auf der Welt eine Überbevölkerung, dieses Problem verschäft sich immer weiter...

    Den gleichen Kontext kann man auch auf den psychisch Kranken anwenden, dieser fühlt sich eben durch seine Sozialphobie erdrückt von den Menschen.


    Versuch sie auszumerzen
    Es dröhnt in meine Schläfen das Schlagen ihrer Herzen

    Dieser Zustand des Leides ohne Aussicht auf Besserung veranlasst die Erde und den psychisch Kranken zu einem folgenschweren Entschluss: Die Menschen auszumerzen...

    Stillgestanden in der Brust,
    Ein totes Herz ist kein Verlust
    Rührt euch nicht!
    Niemand quält mich so zum Scherz
    Ich lass' die Sonne an euer Herz

    Ich bringe Licht an euer Herz
    Die Entscheidung fällt nicht schwer
    Ich geh jetzt heim und hole mein Gewehr!

    Nun kommt das Finale des Liedes. Sowohl die Erde als auch der Gemobbte wollen sich an der Menschheit rächen (niemand quält mich so zum Scherz). Beide tragen die Auffassung in sich, dass ein totes Herz kein Verlust sei. Gerade bezogen auf die Erde macht dies doppelt Sinn, bedenkt man, dass die Menschheit für diese einfach eine Art Bakterium sein muss, dass sich lediglich zu sehr verbreitet hat. Dies erscheint gerade vor dem Hintergrund der Überbevölkerung besonders gravierend. Beide wollen also die Menschen ausmerzen, indem sie die Sonne an die Herzen der Menschen lassen.

    Die Sonne ist dabei eine von Till gerne verwendete Metapher, die er je nach Kontext anders benutzt.

    Hierbei steht die Sonne bezogen auf die pychisch kranke Person eben für das Gewehr, welches dieser sich nimmt und damit wohl Amok laufen wird. Damit lässt er also das Licht an die Herzen der Menschen, indem er diese ermordet Ein weißes Licht steht nicht umsonst für den Tod.

    Bezogen auf die Erde kann man die Sonne sogar tatsächlich als physische Sonne interpretieren. Nicht umsonst wird aktuell immer wieder vor der Klimaerwärmung gewarnt. Wärmt sich die Erde zu sehr auf, wird daraus eine Welle an heftigsten Klimakatastrophen folgen. Auch das Ozonloch könnte in diesem Zusammenhang genannt werden. Wie dem auch sei, bei der Erde muss also genau andersherum das Wort Gewehr metaphorisch gedeutet werden. Dieses ist in dem Fall die Sonne, welche dann eben die Erde so sehr aufwärmen wird, dass in Folge dessen Naturkatastrophen milliarden von Leben auslöschen werden.

    Ich lass' die Sonne in euer Herz


    Das Ende des Songs beschreibt also die Entscheidung zu einem Amoklauf. Dieser folgt reaktionär auf die ständigen Hänseleien und Grausamkeiten, welche die Menschen ihrer Umwelt zufügen. Dabei ist es egal, ob ein psychisch schwacher Mensch oder die Erde. Die Menschen sind häufig blind und sehr unempathisch bzw. ignorant, in dem was sie mit ihren Handlungen bewirken. Der Songtext beschreibt dies auf zwei komplett unterschiedlichen Ebenen, vereint diese aber dennoch sehr stimmig. Wiedereinmal wunderbar lyrisch verarbeitet durch Till :thumbup::thumbup::thumbup:

    Als ich den Song das erste mal gehört habe, hatte ich auch direkt Demenz im Sinn.


    Nachdem ich jetzt das Video geschaut habe, denke ich man kann den Songtext ggf. auch philosophisch deuten.

    Gezeigt werden Tiere, Insekten bei der Paarung dazu verschiedenen Menschen die sich zu verändern bzw. zu altern scheinen. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass hier eine Art Zyklus aus Leben und Tod, gezeigt wird. Lebewesen werden immer wieder geboren, altern und sterben irgendwann. Irgendwie erscheint mir auch die ganze Wortwahl so metaphorisch aufgeladen, dass Till hier vielleicht ein größeres Thema als nur Demenz im Sinn hat...


    Dadurch kam ich auf die Idee, dass der Song ggf. auch um das Leben im Allgemeinen geh gehen könnte ("Weiß nicht, woher ich komme
    Ich geh‘, weiß nicht wohin")
    bzw. der Suche danach, seinem Leben einen Sinn zu geben ("Und so lauf‘ ich weiter, weiter ohne Unterlass
    Ich suche etwas, doch ich weiß, nicht was").

    Wir alle werden einfach ins Leben hineingeworfen doch niemand sagt einem warum das Ganze...


    Ich denke vor diesem Kontext könnte man eben auch wieder die Sonnenmetapher, welche Till ja immer so gerne benutzt entschlüsseln.

    ("Überall ist Sonne. Nur über mir ist keine (keine, keine, keine)" . Vielleicht steht eben die Sonne für diesen Sinn des Lebens, wodurch man die Strophe dann eben so deuten könnte: Dass zwar auf der ganzen Welt die physische Sonne scheint, aber jeder eben im dunkeln tappt, was die eigene Bestimmung angeht. Die Sonne wäre damit als Erkenntnis bzw. philosophische Sonne zu verstehen. Auch Zeilen wie "Am Ende nass bin immer ich", könnte man ggf. so deuten, dass das Leben einen irgendwann einholt, man alt wird, stirbt...


    Na ja vielleicht gehts aber auch nur um Demenz und ich interpretiere hier etwas zuviel rein ;) Das Video finde ich ganz interessant, aber echt schwer zu konsumieren. Da gucke ich mir lieber nen Horrorfilm an, als solch komische miteinander verschmelzende Körper <X

    ne, sie ist es nicht. Habe schon mal mit ihr geschrieben und das Forum kannte die nicht bzw sagte, sie ist in keinem.


    Sind dann doch zwei verschiedene ältere Damen mit Ahnung, wenn auch ganz unterschiedlichen "Ahnungen" :);)

    Wobei sie eigentlich in irgendeinem Forum sein müsste, sie meint doch immer, dass ihr bestimmte Rammsteinlieder in den Foren zur Interpretation vorgeschlagen werden...

    Interpretation von Mutter - Teil 2

    Da der Text im Gesamten leider zu lang war, hier die Aufteilung in zwei Parts....


    Die Tötung der Mutter

    Ab dieser Stelle wird der Song recht kryptisch. Ich will hier aber mal meine Theorie erläutern, wie ich das Ganze deuten würde. Ich denke nämlich, an dieser Stelle will das Klonkind die eigene Mutter töten. Dazu manipuliert es in einem Wutausbruch die Organe seines Körpers, welche ja eigentlich für den Zellspender bestimmt sind.


    Der Mutter die mich nie geboren

    Hab ich heute Nacht geschworen

    Ich werd ihr eine Krankheit schenken

    Und sie danach im Fluss versenken

    Der Song ist also nun an dem Punkt angelangt, an dem Till sehr bedrohlich und aufgebracht singt. Passend dazu, schwört das lyrische-Ich in diesem Moment der eigenen Mutter nichts Gutes. Dabei ist es Nacht. Metaphorisch kann diese Formulierung als Lebensnacht, also den Momenten kurz vor dem Tod interpretiert werden. Gleichzeitig hört sich dieser Satz nach einer Art Racheschwur an, was durchaus verständlich ist. Denn das lyrische-Ich muss sterben, damit die Mutter bzw. die Person, welche hier der Zellspender ist, weiterleben kann. Dazu will es der Mutter eine Krankheit schenken und sie danach im Fluss versenken. Diese Zeilen sind natürlich sehr kryptisch. Bedenkt man, dass die entnommenen Organe des Kindes eigentlich die Mutter heilen sollen, würde aber der Satz „eine Krankheit schenken“ thematisch passen, da dadurch Sachverhalt der Heilung umkehrt würde. Das Kind will also nicht, dass die Mutter geheilt, wird sondern Gegenteiliges. Bleibt noch die Frage was mit im Fluss versenken gemeint ist? Hierbei gibt der nächste Satz Aufschluss...


    In ihren Lungen wohnt ein Aal

    Hier kommt der wohl rätselhafteste Satz des Liedtextes. Was meint Till wohl mit Aal? Thematisch passt die Aal Metapher jedenfalls mit dem vorherigen Satz „und sie danach im Fluss versenken zusammen“. In Flüssen leben nämlich für gewöhnlich Aale. Diese erinnern an Schlangen und werden mit eher negativen Sachen assoziiert. Ich deute das Ganze so:


    Wie wir wissen, wird den Kindern Gewebe entnommen, um deren Zellspender zu heilen. Dieses Gewebe ist in diesem Fall ein konkretes Organ nämlich die Lunge. Es würde daher Sinn machen, dass Till dieses bewusst benennt. Der Zellspender des lyrischen-Ichs hat also wahrscheinlich eine Lungenkrankheit und wird deswegen die Lunge des Kindes als Ersatzorgan transplantiert bekommen, sobald dieses getötet wurde. Das lyrische-Ich weiß um diesen Umstand bescheid und manipuliert deswegen die eigene Lunge, indem es irgendetwas verschluckt, einatmet oder sich einflößt. Die Zeile „In meiner Kehle steckt ein Schlauch“ würde darauf hindeuten. Somit würde der Satz „In ihren Lungen wohnt ein Aal“ durchaus Sinn machen, denn der Aal würde das verschluckte Teil (oder was auch immer) also jene Substanz repräsentieren, mit der die Lunge beschädigt wird. Auch würde dies erklären warum, das lyrische Ich in diesem Moment von ihren Lungen, obwohl es ja noch die eigenen sind, spricht. Diese werden nämlich nach dem Tod des Kindes der Mutter transplantiert. Da das Kind sich mit Vollendung dieser Tat selbst zum Tode verurteilt hat, werden diese Lungen also nicht mehr lange die eigenen bleiben. Bleibt noch die Frage nach dem Satz: Und sie danach im Fluss versenken? Dies könne so interpretiert werden, dass Menschen ja ertrinken also ersticken, wenn sie im Fluss versinken und durch die beschädigte Lunge wird der Zellspender des lyrischen Ichs wohl auch ersticken und somit sterben. Das ist also die verzweifelte Rache des lyrischen-Ichs an seiner Mutter.


    Ambivalente Gefühle


    Auf meiner Stirn ein Muttermal

    Entferne es mit Messers Kuss

    Auch wenn ich daran sterben muss

    Da das Kind mit Vollendung dieser Tat die eigene Lunge zerstört hat, weiß es, dass es bald sterben muss. Es schneidet sich abschließend das eigene Muttermal heraus, um sich nochmals physisch von der Mutter zu trennen, welche es töten will. Zärtlickeiten wie ein Kuss sollten eigentlich durch die Mutter dem Kind gegeben werden. Hier wird der Kuss pervertiert, da in diesem Moment das Messer mehr Wärme dem Kind spendet als die Mutter, welche sich symbolisch aus dem Körper herausgeschnitten wird. Die letzten Textzeilen deuten allesamt auf den Tod hin. Dieser wird durch den Messerschnitt in Kauf genommen, da er sowieso unabwendbar. ist Das letzte Verb des Textes ist deswegen auch passenderweise sterben muss. Ggf. bringt sich das Kind in diesem Moment auch taktisch bewusst um, da ansonsten die manipulierten Lungen die Todesursache wären. Diese würden dann wohl nicht mehr der Mutter transplantiert werden, anders wäre hier der Fall, wenn es Suizid begehen würde.


    Mutter, Mutter

    Oh gib mir Kraft (4x)

    Die Tragik des Liedtextes wird zum Ende hin nochmals gesteigert. Hier schlägt die angestaute Aggression des Kindes im Angesicht des Todes in Angst über. Alleingelassen und emotional verstört bricht das Kind zusammen und bettelt in seinen letzten Augenblicken seines Lebens nach dem Beistand seiner Mutter „Oh gib mir Kraft“. Wie wir wissen und dem lyrischen ich ebenfalls bewusst, wird dieser Wunsch niemals erfüllt werden. Sehr bitter.

    Interpretation von Mutter - Teil 1


    Thema

    Es überrascht wohl die Wenigsten, aber ich schließe mich in der gängigsten Deutung des Textes an: Es geht in Mutter um die Thematik des Klonens. Diese war - zum Release des Songs nach dem Schaf Dolly - sehr aktuell und wurde einige Jahre in den Medien und Politik diskutiert. So wurde z.B. 2002 (also nur ein Jahr nach dem Mutteralbum) das Embryonenschutzgesetz in Deutschland eingeführt.

    Dabei kann zwischen dem reproduktiven Klonen und dem therapeutischen Klonen unterschieden werden. Bei ersterem soll neues Leben erschaffen werden, indem ein geklonter Embryo in eine Gebärmutter eingesetzt wird und in dieser zur exakten Kopie des Spenders heranwachsen soll. Das therapeutische Klonen hingegen, hat das Ziel, speziell auf einen Spender zugeschnittenes Gewebe zu züchten. Dem geklonten Embryo werden im frühen Stadium Stammzellen entnommen und der Embryo dabei zerstört.


    Der Rammsteintext befasst sich dabei wahrscheinlich mit der zweiteren Thematik also dem therapeutischen Klonen, da es schon einige auffällige Parallelen gibt. So geht es hier auch um Kinder, die nicht alt werden bzw. die zum Sterben verdammt sind „greise Kinderschar“. Weiterhin geben Sätze wie „Ich werd ihr eine Krankheit schenken“ Hinweise auf kurative Aspekte . Hierbei sei aber noch angemerkt, dass der Rammsteintext aber nicht zu 100% wissenschaftlich ist. Vielmehr sollten man den Text eher als kritische Zukunftsdystopie betrachten, bei der scheinbar Menschen einige Jahre gezüchtet werden (somit nicht bereits als Embryos getötet), um ihnen dann Organe zu entnehmen. Diese werden dann zur Heilung, also als Ersatz für kranke Organe den Spendern eingesetzt. Im Grunde beschreibt der Text sehr gut das Szenario, welches in dem Sci-Fi Film „die Insel“ mit Ewan McGregor dargestellt wird.


    Es geht um einen Klon


    Die Tränen greiser Kinderschar

    Ich zieh sie auf ein weißes Haar

    Werf in die Luft die nasse Kette

    Der Liedtext beginnt mit diesen wundervoll düsteren Metaphern. Der Protagonist spricht von einer greisen Kinderschar. Greis ist diese, da diese Kinder wohl nicht für ein langes Leben bestimmt sind. Sobald deren Aufgabe erfüllt ist, werden diese Kinder umgebracht. Ggf. ist deren genetischer Code auch so manipuliert, dass sie schneller altern. Denkbar wäre, dass diese auf eine bestimmte Größe heranwachsen müssen, damit die Organe dann weit genug entwickelt sind, um den Zellspendern eingesetzt werden zu können.

    Das lyrische Ich ist hierbei kein Einzelfall, eine ganze Schar an Kindern wurde schon Opfer solcher Verfahren. Die Tränen stehen dabei für das trostlose, sinnlose Leben dieser Kinder, welche alle schon viel zu früh sterben müssen. Der Protagonist zieht diese metaphorisch auf eine Kette, indem er vielleicht diesen Gedenkt. Diese Kette wird dabei von einem weißen Haar gespannt. Wahrscheinlich ein Hinweis darauf, dass das lyrische Ich schon selbst alt ist bzw. bald sterben wird. Hierbei könnte, dass weiße Haar aber auch für die Endphase seines Lebens stehen. Vielleicht weiß unser Protagonist, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er wirft diese nasse Kette aus den Tränen und dem Haar nun in Luft, was ggf. für den Himmel bzw. die Freiheit durch den Tod steht.


    Und wünsch mir, dass ich eine Mutter hätte

    Im Angesicht des Todes wünscht sich das Kind die Geborgenheit seiner Mutter. In diesen ersten Zeilen des Liedes ist Tills Stimme sehr zärtlich, dies ändert sich im weiteren Verlauf noch zunehmend. Hierbei wird ein erster Widerspruch sehr deutlich. Einerseits wird von einer greisen Kinderschar gesprochen. Kinder die also biologisch kurz vor dem Tod stehen, damit überfordert und mit diesem Schicksal alleingelassen sind. Sie dürfen keine Kinder sein und sehen sich mit Gedanken und Entscheidungen konfrontiert, welche deren Entwicklungsstand nicht entsprechen. Kognitiv sind diese aber noch im Kinderstadium, das wird am Wunsch nach der Mutter deutlich.


    Keine Sonne die mir scheint

    Keine Brust hat Milch geweint

    Dieser Satz kann nun mehrdeutig interpretiert werden. Einerseits gibt es vielleicht wirklich keine Sonne, dort wo das lyrische Ich lebt. Vielleicht lebt dieses seit jeher in einer Art Laborumgebung. Vielleicht steht die fehlende Sonne, aber auch metaphorisch für ein Leben ohne Freude, Spaß, Geborgenheit und Glück. Das lyrische Ich wurde nicht wie üblich, von der leiblichen Mutter gestillt. Es kam anders zur Welt und ohne Eltern.


    In meiner Kehle steckt ein Schlauch

    Hab keinen Nabel auf dem Bauch

    Der fehlende Nabel gibt einen eindeutigen Hinweis darauf, dass das Kind nicht natürlich von der Mutter ausgetragen wurde. Stattdessen ist es im Labor erstaffen wurden. Es hat daher keinen Bauchnabel bzw. Nabelschnur. Wichtige Nährstoffe erhält es aber ebenfalls über eine Art Schlauchvorrichtung, welche in dessen Hals steckt.


    Mutter, Mutter

    Dann setzt der Refrain kraftvoll ein und es wird immer wieder das Wort Mutter wiederholt. Dieses Wort wird nicht liebvoll und zärtlich, sondern düster und bedrohlich betont. Die Mutter steht also im Kontext des Liedes für nichts Gutes. Die letzten Gedanken des lyrischen Ichs drehen sich also nur noch um die Mutter, dies ist wenig verwunderlich, bedenkt man, dass es sich bei diesem wahrscheinlich noch um ein Kind handelt. Denn gerade die Mutter ist für Kleinkinder die wichtigste Bezugsperson. Dieses Kind wurde seiner Eltern beraubt, da es künstlich geschaffen wurde. Viel schlimmer… die Person, welche am ehesten an die Mutter herankommt also der Zellspender, ist der Grund warum das lyrische Ich bald sterben wird. Es verwundert daher wenig, dass der Text zunehmend aggressiver wird…


    Ich durfte keine Nippel lecken

    Und keine Falte zum Verstecken

    Hier wird nochmal der Bezug zum Säugen hervorgehoben, welchen dieses Kind nicht erfahren durfte. Gleichzeitig steht die Falte wohl für das weibliche Geschlechtsorgan, aus welchem das Kind nicht auf natürlichen Wegen zur Welt gekommen ist.


    Niemand gab mir einen Namen

    Die künstlich gezeugten Kinder sind in den Augen anderer Menschen eher eine Art Ersatzteillager für menschliches Gewebe, als ein richtiger Mensch. Diesen wird deswegen auch kein Name zugestanden. Ähnliches kennt man ja auch von Tieren. Haustiere bekommen einen Namen Schlachtvieh hingegen nicht. Ein Name spricht Lebewesen eine Identität zu und unterstreicht deren Einzigartigkeit. Haben Dinge keinen Namen, macht dieser Umstand sie entbehrlich, austauschbar und unnahbar. Diese Kinder werden also eher als Gegenstände angesehen, anstatt als Individuen.


    Gezeugt in Hast und ohne Samen

    Im Idealfall wird ein Mensch durch einen Akt der Liebe gezeugt, also ein Moment voller Emotionen und Glück, indem sich beide Elternteile vereinen. Dieser findet beim Klonen nicht statt. Das genaue Gegenteil ist hier der Fall: Es braucht nur einen Zellspender. Dabei wird in einer sterilen Laborumgebung ein Lebewesen erschaffen. Dies geschieht in Hast also beiläufig und routiniert. Ich denke, dass Till das Wort Hast an dieser Stelle ähnlich wie Hass ausspricht, wird wohl so gewollt sein. Ab diesem Zeitpunkt wird Tills Stimme nämlich immer lauter und bedrohlicher. Es ist toll, wie der Song von anfangs leisen und gefühlvollen Tönen, sich nun in solch negative Emotionen steigert. Thematisch kippt ab dieser Stelle auch das Motiv des lyrischen Ichs. Hatte es zuvor sein Dasein als Klon bedauert, entwickelt es nun enormen Hass auf die eigene Mutter…