Beiträge von Zacharias

    Was Leute, deren musikalischer Horizont nicht mehr als maximal vier Takte umfaßt, über Rammstein denken, ist nur im Zusammenhang mit Themen wie Bildungskatastrophe, Schädigung des Hörvermögens und ADHS von Belang. Interessanter sind die Reaktionen all derer, die im allgemeinen für besonders kompetent gehalten werden, also der sog. Qualitätsjournalisten.

    Lass mal die Kirche im Dorf! Rammsteins Musik ist nicht gerade ein gutes Gegenbeispiel, wenn ausdifferenzierte, komplex strukturierte Musik angeführt werden soll. Locker die Hälfte der Songs baut auf im wesentlichen einem einzigen Gitarren-Riff und für ausgefallene Taktarten sind Rammstein auch nicht gerade bekannt. Es mag für Rammstein-Vehältnisse (und ich betone, für Rammstein-Verhältnisse) komplexere Songs geben ("Dalai Lama", "5/4", "Frühling in Paris"), im Grunde wurde aber gerade der Stumpfsinn zum Stilmittel erkoren, und das ist auch völlig okay. Ich finde spannend, wie du an vielfacher Stelle vergleiche zu den Beatles und ähnlichen Instanzen ziehst und ich bin voll dabei, dass Rammstein eine große, bedeutende Band ist, die viel neues gemacht hat und in ihrer Stilistik ein großes Alleinstellungsmerkmal tragt, aber....come on ;)


    Edit: Und was die Qualität der Facebook-Kommentare anbelangt: Ich muss hier in keinem Thread länger als zwei mal scrollen, um Kommentare zu lesen, die nicht über "Jo gefällt mir auch" oder drölf Smileys hinausgehen.

    Apocalyptica waren noch gut, ja!

    aber nur so scheiss Klavier geklimper.... geht überhaupt nicht! egal was da gespielt wird!

    Language.


    Kann man bei einem Ticket für 100 Euro nicht auch ne Band engagieren, über die sich die Fans freuen und man dann eben 2 Hochkaräter an einem Abend sieht?

    Maximierung der Gewinnspanne. Wenn's um Geld geht will ich führen.


    Interessante Idee, blöde Umsetzung. Eine Piano-Darbietung würde zu Aufführungen in einem Theater oder anderwertig klassisch angehauchten Veranstaltungsorten passen, vielleicht noch in etwas wie die Brixton Academy in London. Der Geist einer Stadion-Tour wird damit eher konterkariert. Freue mich jetzt schon auf das Genöle angetrunkener Event-Touristen vor Ort.

    Der Song ist auch für mich am meisten gewachsen. Der Text reißt's nach wie vor nicht ("fern und nah, nah und fern"...wow), abgesehen von den paar Anleihen bekannter Pop-Songs im Refrain. Ingesamt sticht er auf dem Album, gar in der ganzen Discografie sehr deutlich hervor. Man mag sich fast dafür schämen, wie nahe einem dieser gefühlvolle Pre-Chorus geht. Und nicht zuletzt ist es amüsant anzuhören, wie Rammstein diese Art von Song, auf der andere Interpreten ihre gesamte Daseinsberechtigung errichten, mal ebenso mit sarkastischem Unterton nebenbei heraushauen -- und man den Song trotzdem feiern kann. Freue mich schon darauf, wie es das ganze fehlgeleitete Klientel in den Stadien innerlich zerreißen wird, "Ich bin Ausländer" mitzusingen.

    wie oft noch?? solange es in irgendeiner form noch karten gibt ist es für mich NICHT ausverkauft.
    genauso wie man nur entweder tot oder nicht tot sein kann.... entweder ganz oder gar nicht.

    oder man hat eine prüfung bestanden oder nicht. ein bißchen bestanden gibts nicht.

    Völlig richtig. Ebenso sind die Vinyl-Collection, die Single zu "Stripped" und das limitierte Digipak zu "Mutter" keineswegs ausverkauft, schließlich lagern tausende Exemplare in Privathaushalten.

    Eine sehr hübsche und geistreiche Idee, die elf Songs in ein kohärentes, größeres Ganzes zu bringen -- Chapeau an den Parabelritter. Die Band wird sich hüten, diese Deutung zu bekräftigen oder entlasten -- ist sie doch eine hübsche Illustration, dass ein Kunstwerk nicht mit dem Schlussstrich den Künstlers endet, sondern im Betrachter selbst gedeiht. Wenn man sich noch tiefer hineinsteigert, wurde das auch grafisch im Artwork umgesetzt -- Rammstein reichen ein Zündholz, entfachen muss es der Zuhörer.


    Aber mal ernsthaft angenommen, es wurde als Konzeptalbum erdacht -- warum ist es dann zumindest stellenweise so uninspiriert und beliebig? Warum sollte man einem Konzeptalbum vorbehalten, seine volle Pracht zu entfalten und Songs integrieren, die musikalisch und textlich nicht weit über den Status einer Demo hinausreichen ("Weit weg", "Diamant", "Hallomann")?


    Ein Konzeptalbum verfolgt nicht nur textlich, sondern auch musikalisch und stilistisch einen roten Faden. Musikalische Motive werden wiederholt. Die Komposition und Aneinanderreihung der Songs beinhaltet einen dramturgischen Bogen. Das ist hier alles nicht vorhanden oder viel zu schwach ausgeprägt, um von einem bewusst als Konzeptalbum entworfenem Werk zu sprechen. Nichtsdestotrotz -- netter Gedankengang.

    Die Thematik ist klar und ohne doppelten Boden, immerhin wird keine klare Position zum Tätowiertsein bezogen. Die Zeilen


    Zitat

    Deinen Namen stech ich mir

    Dann bist du für immer hier

    Aber wenn du uns entzweist

    Such ich mir jemand, der genauso heißt

    lässt hinreichend Luft, um sich auch als -- wie ihr sagt -- Reinhäuter angesprochen und verstanden zu fühlen. Musikalisch erinnert mich der Song ein wenig an Knorkators "Buchstabe", das seinerseits eine Persiflage auf Rammstein ist. Verrückte Welt.

    Album kurz vor Ladenschluss im Media Markt bekommen.

    Meiner Meinung nach waren die Projekte ein Fehler. Und warum man - im Falle von Richard - dann ein Soloprojekt macht und sich letztlich alle Riffs von der "Hauptband" zusammenklaut, erschließt sich mir auch nicht. Da war doch schon mal was mit "Stein um Stein" und "in my tears"

    Dass sich Rammstein offenkundig nicht nur fremd-, sondern auch selbstinspirieren lassen, ist doch ein alter Hut ("Engel" -- "Tier", "Du Hast" -- "Just one Fix" (Ministry), "Sehnsucht" -- "Cyber" (Orgasm Death Gimmicks)".


    Die alte Wut von "Herzeleid" ist halt weg, deal with it. Rammstein können, müssen und wollen sich nicht mehr selbst übertreffen. Sie bedienen ihren gewohnten Fundus an Themen und liefern qualitativ anständige Songs nach dem Schema "Stakkato-Riffs + Synthies, grollendes R und hier und da ein paar echte Streicher", und das ist gar nicht abwertend gemeint. Die hier teils seitenlange Diskussion darum, ob Amazon denn nun schon endlich die Platte verschickt hat kann keine größere Bestätigung sein. Ich kann mit den dunkelromantischen Songs älterer Tage auch mehr anfangen als mit mutwillig in die Lyrik gepressten urdeutschen Signalworten ("Weltempfänger"), aber am Ende hängt da auch immer eine gute Portion Sentimentalität zur eigenen Jugend mit drin.

    Herrgott noch mal, hier wird aus lauter Sentimentalität ja kein einziges "aber" gegen die eigene Lieblingsband zugelassen. So wie Rammstein nun mal ihre Brötchen damit verdienen, über Inzest, Mösen und gebrochene Männerherzen zu singen, verdient ein Redakteur im Feuilleton sein Geld eben mit kritischen Beiträgen. Schon mal dran gedacht, dass die Einschätzung eines Kritikers ganz notwendigerweise anders ausfallen muss als die eines Fans? Dass er einen ganz anderen Erfahrungsschatz und somit ein ganz anderes Referenzniveau hat? Dass er sich das Album unter Umständen niemals freiwillig angehört hätte? Bei aller Fan-Liebe -- die Schaffensfreiheit, die man der Band zugesteht, sollte man einem Redakteur nicht absprechen.

    Simple Ohrstöpsel aus dem Baumarkt, diese bunten weichen Gummidinger (meistens in der Nähe der Bohrmaschinen) reichen imA völlig. Kosten einen Euro, kriegt man problemlos mit rein, fallen nicht auf, tun was sie sollen und filtern bei arg schlechter Akkustik sogar noch etwas.

    Davon würde ich abraten. Die Dinger sind wie Oropax darauf ausgelegt, stumpf so wenig wie möglich aus allen Frequenzbereichen durchzulassen. Schützt zwar die Ohren, aber killt den Sound.

    Für gelegentliche Konzertbesuche genügen die Alpine Music Safe pro (guckst du Amazon). Quasi der Industriestandard. Die haben Filter in drei verschiedenen Dämpfungsstärken, der Einsatz für die Ohren lässt sich zudem abnehmen und waschen. Kosten ca. 17€.

    Wenn du nicht weißt, wo du mit all deinem Geld hin sollst, lohnt sich auch ein Gang zum Hörgeräteakustiker. Für ca. 150€ gibt es individuell angepassten Gehörschutz mit (im Vergleich zu den Alpine-Dingern) noch mal deutlich besseren Filtern. Lohnt sich aber eher, wenn man selber Musik macht oder anderwertig in dem Business tätig ist.