Beiträge von AlteFrau

    Hier fand ich soeben dies:

    Zitat

    RAMMSTEIN landen mit ihrem unbetitelten, neuen Album einen internationalen Megaerfolg. In 14 Ländern setzen sie sich aus dem Stand an die Spitze der Charts, und zwar in Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Norwegen, Finnland, Estland, Portugal, Schweiz, Russland, Polen und Kanada. In Schweden, Großbritannien, Italien, Spanien, Australien, Tschechien, Lettland und Litauen ist die Band in den Top 5. Ein besonderer Erfolg ist der Einstieg auf #9 der Billboard Charts und damit ihre erste Top 10-Platzierung in den USA.


    Die Billboard-Nachricht konnte ich noch immer nicht verifizieren. Sie ist ohnehin ungenau, da es viele Billboard Charts gibt. In World Albums sind Rammstein Nr. 1, in Rock Albums Nr. 2, in Vinyl Albums Nr. 5. Aber in den Billboard 200 (also unter den meistverkauften Alben, unabhängig vom Genre) sind sie und auch die in Deutschland gehypte Band The National nicht zu finden. Und nur diese Liste entspricht den deutschen Album-Charts.

    Vermutlich hat einer der so kompetenten deutschen Rockschreiber mal wieder nicht aufgepaßt. In der Liste der in den USA meistverkauften
    Germany Songs stehen Rammstein nämlich auf Nr. 9, und zwar mit (na klar:) Deutschland.

    Es empfieht sich also stets, sämtliche Nachrichten (auch die oben zitierte) genauestens zu überprüfen, bevor man sie weiterverbreitet.

    Ich habe heute in einem Post von irgendeiner meiner gefühlt 100.000 gelikten Instagram-Fanpages gelesen, dass Sie in den Billboard-Charts auf der 10 eingestiegen sind. Kann dir leider aber keinen Link nachreichen...

    Bei Billboard ist nichts dergleichen zu finden. Dort wird 'nur' gemeldet, daß das Album in Australien auf Nr. 5 eingestiegen ist. Siehe hier.

    Ja, auch ich bin der Meinung, Hellner war "besser" als Involtini. Aber wie schon oft gesagt: Man wollte ändern, man hat geändert. Und was die Band tatsächlich an Soundwünschen hatte und davon erfüllt wurde, wissen nur sie.


    Ich gehe davon aus, daß sie allesamt ein vom ersten bis zum letzten Takt stimmiges Album haben wollten. Das war LIFAD nämlich nicht. Inzwischen ist zwar längst bekannt, daß sie während der Arbeit an LIFAD in einer schweren Krise steckten; doch das sagten mir schon die Stücke, als ich sie zum erstenmal hörte; wie stets bei neuen Alben ohne hohe Erwartungen, um nur ja nicht über Gebühr enttäuscht zu werden. "Sie wollten sich neu erfinden, haben es aber nicht geschafft", schrieb ich am 15. Oktober 2009 einem Freund, mit dem zusammen ich erlebt habe, wie es in einer Band zugeht, die zwar jede Menge gutes Songmaterial hat, aber heillos zerstritten ist. LIFAD, so schrieb ich, werde wohl das letzte Album sein.


    Wie ich das im einzelnen anhand diverser Stücke begründet habe, will ich hier nicht wiedergeben; es wäre viel zu kompliziert. Genug, daß ich auf dieser Scheibe vieles davon vermißte, was ich an Rammstein schätzte, darunter nicht zuletzt Schneiders bisher so klar durchdachtes Schlagzeugspiel. Jetzt plötzlich klang es in meinen Ohren an vielen Stellen (bei Frühling in Paris sogar den ganzen Song hindurch) nicht mehr angemessen, also einzig und allein den Stücken dienend, sondern so, als wollte er allen zeigen, was er spieltechnisch kann. Dies störte mich besonders heftig, weil ich derlei Ego-Trips zur Genüge aus den 70er Jahren kannte und jetzt den Eindruck hatte, als wäre es dem Produzenten nicht gelungen, die Band zusammenzuhalten. Mehr noch. Ich hatte und habe noch immer den Eindruck, als hätte der bisher so verdienstvolle Jacob Hellner aufgrund seiner musikalischen Vorlieben wesentlich dazu beigetragen, daß LIFAD in meinen Ohren so unstimmig klang, und zwar nicht nur insgesamt, sondern mehr oder minder ausgeprägt in jedem der neuen Stücke. Der vielgerühmte "Wums" sowie die "Härte" dieser Scheibe erschienen mir nicht etwa als von Anfang an und nur aus künstlerischen Gründen bewußt so und nicht anders gewollt, sondern als deutliches Krisenzeichen. Sie schienen eher gegen- als miteinander zu arbeiten; und dieser Eindruck wurde durch den Mix und das Mastering verstärkt.

    Wie wir heute wissen, war LIFAD tatsächlich das letzte Album, das Rammstein machten, zumindest für lange Zeit. Um es doch noch einmal im Studio miteinander zu versuchen, mußten sie alles vermeiden, was die alten Wunden gar zu weit und zu tief hätte aufreißen können. Schon deshalb war es eine richtige Entscheidung, das Album zusammen mit Olsen Involtini zu produzieren, an einem ruhigen und schönen Ort.

    Viele alte Fans werden das alles ganz anders sehen, und dies ist selbstverständlich auch ihr Recht. Das abschließende Urteil über die Zündstoffscheibe wird die Popgeschichte sprechen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das neue Album eines nicht allzu fernen Tages zu den drei besten Alben von Rammstein zählen wird, und zwar nicht zuletzt wegen seiner jetzt noch für so viele gewöhnungsbedürftigen Produktion.

    Vergleicht man die Sonogramme der im Prinzip ähnlich aufgebauten Stücke Frühling in Paris und Puppe, so sieht man bereits auf den ersten Blick, daß die 'leisen' Passagen von Frühling in Paris und Puppe sich deutlich unterscheiden. Und was zu sehen ist, kann man auch hören. Die CD-Version von Puppe klingt dynamischer als die von Frühling in Paris. Und die Vinyl-Version ist allen anderen Versionen vorzuziehen, nicht nur bei Rammstein. Vgl. hierzu diese Website. Im Durchschnitt ermitteln Meßprogramme für die CD-Version des neuen Albums zwar keinen höheren Dynamikwert als für LIFAD; doch immerhin ist LIFAD so abgemischt und gemastert, daß es Dinosauriern wie mir nicht gar so 'laut' erscheint wie sein Vorgänger. An diesem Phänomen auch mag es (unter anderem) liegen, daß viele alte Rammsteinfans das verflixte Album No. 7 als viel zu poppig und zu soft empfinden. Wer von euch ganz genau wissen will, was Musik als 'hart' erscheinen läßt und was nicht, der kann sich diese wissenschaftliche Arbeit kostenlos aus dem Netz herunterladen.

    Ja, da singt ein Chor. Und genau deshalb ist es so interessant, weshalb er pseudolateinisch sind. Leider werden solche Fragen nie in Interviews gestellt.

    Wooooow. Mir ist jetzt nach dem ca. 100sten Mal aufgefallen, dass Klavierklänge innerhalb der Strophen zu hören sind.


    Meine Fresse, wie mich das nervt, wie unterirdisch dieser sehr geile Song abgemischt wurde.

    Seltsam. Ich habe die Klaviermelodie gleich beim erstenmal in aller Deutlichkeit deutlich vernommen, sogar beim Hören einer vorab ins Netz gestellten stark komprimierten Datei.

    Im übrigen ist ein Mix immer auch Geschmackssache. Nicht zuletzt deshalb ist die Endabmischung für alle Beteiligten oft eine Tortur, die sich lange hinziehen kann, bis alle Beteiligten zufrieden sind. Seit Erfindung der CD wurde allerdings so mancher respektable Mix durch das Mastering verhunzt; ein überaus wichtiges Kapitel für sich. Stichwort: Loudness War.

    Zur Abmischung dieses Albums ist zu sagen, daß sie nicht etwa "unterirdisch" ist, sondern mit größter Liebe und Sorgfalt gemacht: von einem, der die Band, deren Sound und alles, was damit zusammenhängt, bekanntlich schon seit Jahren so gut kennt wie kaum jemand anders. Lies mal (falls du es nicht schon kennst) dieses alte Interview mit Olsen Involtini. Ich gehöre wohl auch aufgrund meines Alters und meiner höchst unterschiedlichen Hörerfahrungen mit allen Arten von Musik zu jenen Leuten, die das neue Album auch wegen seiner Abmischung ganz besonders schätzen. Und die war schwieriger denn je, weil die Musik von Rammstein vielschichtiger ist denn je. Man könnte auch sagen: orchestraler. Was in den Stücken passiert, geht nicht mehr beim erstenmal ins Ohr. Man muß es aufmerksam und ohne Ablenkung studieren, am besten auch über Kopfhörer, aber niemals gar zu laut, also etwa so wie die Musik von Richard Wagner, mit dem Rammstein oft verglichen werden, leider auch von Leuten, die damit nichts Gutes sagen wollen.

    Kurz: Die Bandmitglieder haben (bis auf Olli) jetzt die 50 überschritten und stehen auch dazu. Richard hat gewiß für alle gesprochen, als er sagte, das neue Album klinge wie Rammstein in 3D. So ist es tatsächlich. Und ich bin mir sicher, daß sich Olsen Involtini schon jetzt vor Angeboten aus England und den USA kaum noch retten kann. Denn er hat (was auch immer die Fans davon halten) große Arbeit geleistet.

    Inzwischen habe ich das Buch gelesen. Es handelt sich um keine Biographie, sondern um eine Einführung in das Werk von Rammstein, und zwar nicht für Fans geschrieben, sondern für ein bildungsbürgerliches Publikum, das sich informieren möchte. Allerdings kann ich jedem ernsthaften Fan nur zur Lektüre dieses Buchs raten. Denn:

    Peter Wicke, geboren 1951 in Zwickau, ist nicht nur ein Musikwissenschaftler bester alter Schule, sondern hat auch schon über Popmusik geforscht und geschrieben, als viele Rammsteinfans noch gar nicht auf dieser Erde weilten. Ich habe mir bereits vor über 30 Jahren sein Sach-Lexikon Popularmusik gekauft und schätze ihn seitdem sehr. Inzwschen schätze ich ihn noch mehr. Denn er zeigt allen Rockmusikschwätzern, wie man kenntnisreich und sachlich über Rammstein schreibt. Und er zeigt all jenen Fans, die immer nur sagen, Rammstein seien "geil", aber nicht begründen können, warum es sich bei ihrer Lieblingsband tatsächlich um eine handelt, die zu hören und zu sehen sich lohnt. Lesenswert auch für Fans ist vor allem, was er über Links 2 3 4 und das Video zu sagen hat. Ich will es hier nicht verraten. Genug damit, daß Peter Wicke sich bestens darauf versteht, zwischen den Zeilen zu lesen, und alle, denen diese Kunst nicht so vertraut ist wie denen, die lange Zeit in der DDR gelebt haben, sehr viel von ihm lernen können: wenn sie denn nur dazu bereit sind.


    Aber dies ist noch nicht alles. Der Zufall (an den ich nicht glaube) hat es nämlich so gewollt, daß Prof. Dr. Wicke Mitte April 1994 im Leipziger naTO war, als Rammstein dort spielten. Diesen Auftritt schildert er uns gegen Ende seines Buchs, an dem ich nur auszusetzen habe, daß es gemäß der Reihe, in der es erschien, nicht mehr als 100 Seiten umfaßt. Wicke kann sehr gut schreiben und hätte zur Musik von Rammstein als Fachmann noch vieles zu sagen, was leider gar zu viele Rammsteinfans und sämtliche Rammsteinverächter herzlich wenig interessiert.

    Kurz: Wer Rammstein wirklich liebt und nicht nur blind vergöttert, der sollte dieses Buch aus den genannten Gründen lesen. Rammstein würden ihm gewiß nicht davon abraten. Denn je mehr man gelesen hat, und zwar nicht nur von und über Rammstein, desto mehr kann man sich an ihrer Kunst erfreuen.

    Und ach! Mir fällt gerade noch ein, was selbstverständlich jeder weiß, der sich mit Feeling B auskennt. Da es jedoch viele Rammsteinfans gibt, die sich nie mit Feeling B beschäftigt haben, will ich hier mal eben auf deren drittes Album verweisen. Darauf präsentieren sie uns nämlich Lieder und Tänze aus dem Mittelalter, so auch ein Stück, das als Nr. 22 in Orffs Carmina Burana enthalten ist. Das lateinische "totus floreo" (zu deutsch sinngemäß: ich stehe in voller Blüte) wird auf Die Maske des roten Todes allerdings zum Tod des Florio.

    Finde die lateinische Sprache und alles was dazugehört gruselig, obwohl ich sie selber in der Schule früher hatte, kann es nicht erklären..... Naja und das was da so in der Kirche abgeht ist ja erst recht gruselig.... Naja muss man nicht verstehen, dass ich es so empfinde als Außenstehender 🤷🏻‍♀️😉

    Hast du schon mal Chorwerke der Renaissance oder von Carl Orff gehört? Für den Fall, daß dir die Chorpassage in Zeig dich gefällt, empfehle ich dir und allen, die Orffs berühmtes Werk gar nicht oder nur Schnipsel aus Hollywoodfilmen kennen, seine Carmina Burana. Hier nur ein Teaser: der Eingangschor.

    Ahhhhhhhhhhhhh, EWQL und deren schicker WordBuilder. Sind also Chöre aus dem VST und nicht von nem Live-Chor. Obwohl der VST total eklig zu handhaben ist und auch imho verbuggt ist, scheints noch immer in puncto Wortsynthese die Referenz am Markt zu sein, wa?

    Zum CruCHifix noch dieses: Im Italienischen (wohl auch im damalig Lateinischen) sind ja Cs in der Wortmitte oft als "tsch" ausgesprochen.

    Sprachwissenschaftler nehmen seit einigen Jahrzehnten an, daß die Gebildeten im alten Rom das C stets wie ein K ausgesprochen haben, also auch in der Wortmitte. So lernt man es auch in der Schule. Da aber die uns vertrauten Aussprachevarianten musikalischer klingen, werden sie auch von altsprachlich gebildeten Musikern bevorzugt.

    möchte an dieser stelle nur kurz loswerden, dass die chöre schrabadaba singen, das ist nicht wirklich latein, lohnt sich also nicht, da nach übersetzung zu fragen. demnach ist "chruCHifixus" auch kein verschreiber im booklet. wohl auch wieder eine persiflage der lateinischen anbetungsphrasen in der katholischen messe.

    Alle, die sich für das Pseudolatein von Rammstein interessieren, können hier fündig werden und auch unter "symphonic choirs" nach Software googeln, mit der sich fromme Chorpassagen zusammenbasteln lassen.

    Da ich Latein gelernt habe, kann ich sagen, daß die Schreibweise im Booklet definitiv falsch ist. Crucifixus wird immer so und nicht anders geschrieben, jedoch von heutigen Lateinsprechern im kirchlichen und/oder musikalischen Bereich unterschiedlich ausgesprochen; in den angloamerikanischen Ländern wohl meistens crutschifixus, so wie hier. Deshalb vermute ich, daß der Fehler im Booklet auf eine englische Quelle zurückgeht und mangels lateinischer Sprachkenntnisse der Beteiligten nicht bemerkt wurde. Beabsichtigt ist er mit Sicherheit nicht, weil er keinen Sinn ergibt und auch bei denen, die sich auskennen, keine Heiterkeit wecken kann, sondern eher (wie etwa bei mir) ein Gefühl der Peinlichkeit. Man spricht nicht umsonst vom Fehlerteufel. Und der geistert (wie ich aus langjähriger Korrektoratserfahrung weiß) überall herum, auch in den gedruckten Texten von mir.

    "Diamant" krankt halt leider an seiner Unterentwicklung, im wahrsten Sinne des Wortes ein "Roh-Diamant". Was wäre mit einer Steigerung und opulent-epischem Finale alles möglich gewesen...

    Ich will hier keine Rangliste posten, sondern nur mal eben sagen, woran ich sofort dachte, als ich Diamant zum erstemal hörte: nämlich an ein (bitte nicht als Werturteil verstehen:) noch sehr viel schlichteres, aber dennoch sensationelles und (nicht nur) von Fans heiß debattiertes Musikstück aus dem Jahr 1965: Yesterday von den Beatles.

    Was ich liebe als Opener? Das könnte durchaus einen Sinn ergeben. Achtet auf den Text und versetzt euch in die Band hinein. Was könnte sie euch damit sagen wollen?

    Mehr schreibe ich an dieser Stelle nicht, weil ich die Inszenierung noch nicht kenne. Sie wird der Schlüssel zum Tor der Erkenntnis sein.

    Es gibt auch guten Rockjournalismus und Autoren, die sich, bevor sie zu schreiben beginnen, eingehend mit dem Thema befassen, so wie Amanda Petrusich in der neuesten Ausgabe von The New Yorker. Ach! wie wunderbar unaufgeregt und sachlich sie über Rammstein berichtet und sie im Zusammenhang mit anderen "theatrical rock bands" betrachtet; denn sie interessiert sich nicht nur um des Geldes willen für all das, worüber sie schreibt. Ich bin nicht mit allem einverstanden, doch das stört mich nicht im geringsten, weil sie so wohltuend anders schreibt als hierzulande üblich.

    Worum es mir geht, kannst du all dem entnehmen, was ich in diesem Forum bereits geschrieben habe. Ich muß es hier nicht wiederholen. Im übrigen bin ich nicht bereit, meine Zeit Usern zu widmen, die in diesem Ton

    Das ist ziemlicher Unsinn.


    mit mir reden, ohne sich für mich nachvollziehbar darum bemüht zu haben, den Inhalt dessen zu erfassen, was sie als Unsinn abtun.

    Lass mal die Kirche im Dorf! Rammsteins Musik ist nicht gerade ein gutes Gegenbeispiel, wenn ausdifferenzierte, komplex strukturierte Musik angeführt werden soll. Locker die Hälfte der Songs baut auf im wesentlichen einem einzigen Gitarren-Riff und für ausgefallene Taktarten sind Rammstein auch nicht gerade bekannt. Es mag für Rammstein-Vehältnisse (und ich betone, für Rammstein-Verhältnisse) komplexere Songs geben ("Dalai Lama", "5/4", "Frühling in Paris"), im Grunde wurde aber gerade der Stumpfsinn zum Stilmittel erkoren, und das ist auch völlig okay. Ich finde spannend, wie du an vielfacher Stelle vergleiche zu den Beatles und ähnlichen Instanzen ziehst und ich bin voll dabei, dass Rammstein eine große, bedeutende Band ist, die viel neues gemacht hat und in ihrer Stilistik ein großes Alleinstellungsmerkmal tragt, aber....come on ;)


    Edit: Und was die Qualität der Facebook-Kommentare anbelangt: Ich muss hier in keinem Thread länger als zwei mal scrollen, um Kommentare zu lesen, die nicht über "Jo gefällt mir auch" oder drölf Smileys hinausgehen.

    Mir ging es nicht um Musik, sondern über Leute, deren Beruf es ist, darüber zu schreiben. Von einem Rockrezensenten erwarte ich, daß er besser zuhören kann als ein gewöhnlicher Fan und daß er das Gehörte seinen Lesern mit Sachkenntnis vermitteln kann. Die aber spreche ich allen ab, deren Artikel von Klischees nur so wimmeln und/oder nachweislich Fehler enthalten, die einem musikalisch auch nur halbwegs Gebildeten niemals unterlaufen würden. Schon seit Jahrzehnten erwische ich diese Jungs immer wieder beim Bluffen, und zwar bezeichnenderweise gar zu oft dann, wenn sie sich wie Musikwissenschaftler gebärden, die sie jedoch in den allermeisten Fällen gar nicht sind. Dennoch fühlen sie sich, wie ihre Schreibart verrät, den Fans der von ihnen Kritisierten haushoch überlegen, urteilen jedoch selbst gar zu oft nur aus dem Bauch heraus, seit dem Mauerfall immer offensichtlicher auch politisch motiviert. Von gewöhnlichen Konsumenten unterscheiden sie sich nur darin, daß sie es in der Schule und an der Universität gelernt haben, ihrer Meinung einen intellektuell wirkenden Anstrich zu geben. Da sie opinion leaders sind, halte ich diese Unredlichkeit für ein immenses Problem.

    Über das Urteilsvermögen der allermeisten bekennenden Fans dieser oder jener Band will ich mich nicht verbreiten, solange ihre Verehrung nicht in religiösen Wahn und (verbale) Gewalt oder auch nur in unbegründete Rechthaberei umschlägt. Allerdings wünsche ich speziell den Rammsteinfans, daß sie von ihren Helden lernen. Denn gerade diese Ostkapelle, deren Gesamtkunstwerk auch für sehr schlicht gestrickte Hörer leichtverdaulich, aber dennoch aus diversen Gründen auch für unverkrampfte Bildungsbürger höchst vergnüglich ist, bietet jedem die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszusehen: ob Musik, Literatur oder die anderen Künste betreffend; und dies mit ihrem Weißen Album, ihren neuen Videos und vielem mehr so reichhaltig wie nie zuvor. Amen.