Ausführliche Interpretation von Rammsteintexten (Sammlung)

  • Hey Leute ;),


    ich finde ja Till ist einer der besten Poeten unserer Zeit.


    Beschäftigt man sich mit den Rammsteintexten näher, fallen einem zunehmend mehr Details auf. Da die Texte gewisse Doppeldeutigkeiten offenbaren und es nicht die eine"richtige Interpretation " gibt, finden sich im Internet zahlreiche Interpretationen, die mal mehr mal weniger genau einen von Tills Texten deuten.

    Gerade die teils sehr umfassenden, genauen und spannenden Analysen zu diesen Liedern finde ich sehr spannend und würdigen Tills Arbeit in ganz besonderer Form.

    Leider sind diese meist sehr versteckt und man muss sich durch zahlreiche Seiten wühlen bis man mal so einen Fund macht.


    Ich fände es toll wenn wir in diesem Thread mal ausführliche und genaue Interpretationen zu den Rammsteinliedern sammeln könnten, damit diese in irgendeiner Form gesammelt und archiviert werden könnten. Vielleicht gibt es auch einige Personen, die selbst mal ein Rammsteinsong genauer analysiert haben und bzw. Lust haben entsprechendes zu machen und das hier reinschreiben wollen :) ! Es gibt dabei wie gesagt kein richtig oder falsch, der Text sollte aber schon eine gewisse Länge vorweisen und am besten mehr in die Details gehen (Zu schreiben in Mein Teil geht es um einen Kannibalen reicht also nicht ;))

    Sollten Fremdbeiträge genannt werden, bitte nichts klauen und die Quelle verlinken :thumbup:


    Um den Anfang zu machen, werde ich hier mal zwei Interpretationen von mir, aus anderen Threads einfügen. Da es hier um eine Sammlung geht, bitte ich primär um Interpretationen und keine ausufernden Diskussionen


    Ich freue mich auf eure Interpretationen! Auf geht´s! ^^

  • Interpretation zu Rosenrot


    Das gesamte Album war zwar etwas Mau, der gleichnamige Song ist bis heute aber eines meiner absoluten Lieblingslieder der Jungs und das liegt insbesondere an den Lyrics.

    Der Text ist genial, weil er einerseits Spielraum für Interpretationen offen lässt, aber dennoch nicht zu vage bleibt wie andere Rammsteinlieder (z.B. Alter Mann, Reise, Reise, Ohne Dich) sodass er genug Futter liefert, aber sich dabei gut deuten lässt. Auch ist der Song sprachlich sehr ansprechend gestaltet und weist zur deutschen Literatur einige Bezüge auf.

    Alles in Allem also ein sehr gelungener Liedtext, der zusammen mit einem sehr passenden Musikvideo und dem sehr eingängigen Sound seine Vollendung findet.

    Und naja weil ich den Song so feiere, schreib ich hier mal meine (etwas längere) Interpretation, um dieses Meisterwerk angemessen zu würdigen ^^:


    Um den Song richtig zu verstehen, sollte man zu allererst das Goetheoriginal kennen:


    Sah ein Knab’ ein Röslein stehn - Sah ein Mädchen ein Röslein stehen
    Röslein auf der Heiden, - Blühte dort in lichten Höhen

    War so jung und morgenschön - So Sprach sie ihren Liebsten an

    Lief er schnell es nah zu sehn - Ob er es ihr steigen kann

    Sah’s mit vielen Freuden.

    Knabe sprach: ich breche dich, - Der Jüngling steigt den Berg mit Qual
    Röslein auf der Heiden! - Die Aussicht ist ihm sehr egal

    Röslein sprach: ich steche dich, - Hat das Röslein nur im Sinn

    Daß du ewig denkst an mich, - Bringt es seiner Liebsten hin



    .Und der wilde Knabe brach’s Röslein auf der Heiden; - An seinen Stiefeln bricht ein Stein

    Röslein wehrte sich und stach, - Will nicht mehr am Felsen sein

    Half ihm doch kein Weh und Ach, - Und ein Schrei tut jedem kund

    Mußt’ es eben leiden. - Beide fallen in den Grund


    Zum Originaltext sei erwähnt, dass Goethe das Gedicht selbst in Anlehnung an ein Gedicht von Herder verfasst hat. Goethes Gedicht weißt allein vom drei Strophen- Aufbau und gewissen Versen deutliche Paralleln zum Rammstein Text auf. Auch vom Spannungsbogen her ähnelt sich das Ganze. Die erste Strophe ist euphorisch, dann in der 2. ist der Kontext konflikt bzw. spannungsgeladen und in der 3. Strophe eskaliert die Handlung schließlich und endet in einer Tragödie.

    Inhaltlich ist man sich bei der Interpretationen des Goethetextes nicht ganz einig:

    Ältere Analysen gehen davon aus, dass der Inhalt eine Vergewaltigung schlidert: Ein Junge sieht ein Röslein, dass er haben will (Das Röslein steht für ein Mädchen). Diese erwidert die Annäherung nicht und droht damit sich zu wehren falls er sie anfasst. Das tut er aber dennoch und nimmt den Stich in Kauf.

    Neuere Deutungen beziehen Goethes Privatleben in das Gedicht mit ein und kommen zu einem anderen Schluss. Demnach geht es im Text, um eine nicht legitimierte Liebe. Trotz aller Warnungen lassen sich die Liebenden aufeinander ein und leiden am Ende beide unter dieser Entscheidung.


    Die zweite Version ist hier die Gängigere, in beiden Fällen sollte aber klar werden, dass für die Liebe einiges in Kauf genommen wird und das Liebe häufig Schmerz bedeutet.

    Hier haben wir dann auch das Grundthema des Liedtextes von Rosenrot und sind dann auch bei Rammstein.

    Wie die Till der Liebe gegenüber eingestellt ist, weiß man ja schon aus anderen Songs (Amour, Klavier, Was ich Liebe, Ich tu dir weh...). Rosenrot reiht sich in in diese Riege tadellos mit ein.


    Im Grunde kann man den Songtext von Rosenrot nun zwei Teile splitten: 1. den Inhalt und 2. den Rahmen:


    1. Inhaltlich geht es analog zum Goethegedicht um ein Mädchen (Hier im Gegensatz zum Goethegedicht in aktiver Rolle und nicht mehr passiv), dass eine Rose will. Spannend ist, dass man die Erzählung nun metaphorisch und physich auslegen kann.

    Physich geht es eben um den Jungen, der dem Mädchen die Rose als Liebesbeweis vom Berg holen soll. Er gibt sein Bestes, rutscht aber beim Versuch in die Tiefe. "Beide fallen in den Grund" lässt dabei die Interpretation offen, dass das Mädchen am Ende auch unter diesem Schicksalsschlag zugrunde geht.

    Methaphorisch kann die das Röslein aber ebenfalls für das Weibliche Geschlechtsorgan stehen, ausführlichere Interpretationen hierzu finden sich im Thread. Auch kann man das Röslein als Methapher für die Liebe im Allgemeinen betrachten. Ein Junge ist in ein Mädchen verliebt, dieses erwiedert die Liebe aber nicht. Es will, dass der Junge sie davon überzeugt, sich in ihn zu verlieben (Er soll ihr das Röslein bringen -> also die Liebe). Dieser nimmt Mühen und Qualen auf sich, um der Frau seiner Träume zu gefallen (Hat das Röslein nur im Sinn, bringt es seiner Liebsten hin) . Am Ende kann er diese nicht erzwingen.


    Egal wie man den Inhalt also auslegt, Liebe bedeutet oft schmerzen, Anstrengungen und Selbstaufopferung und das drückt der Refrain wunderbar aus:


    "Sie will es und so ist es fein

    So war es und so wird es immer sein"



    Die Liebe verlangt Menschen Sachen ab, so war es schon immer und so wird es sein. Es liegt gewissermaßen in ihrer Natur, es ist ein zeitloses Thema.


    "Sie will es und so ist es Brauch

    Was sie will bekommt sie auch"



    Wenn sich ein Mensch verliebt, steht er unter dem Einfluss der Liebe. Dieser wirkt stark auf ihn ein, lenkt ihn und lässt ihn nicht mehr los. Häufig wird kopflos und unbedacht gehandelt, alles um die Person der Begierde irgendwie an sich zu binden. Diese Macht ist so stark, dass sie Menschen zu Sklaven macht und an sich bindet, verlangt die Liebe ein gewisses Verhalten, bekommt sie dieses auch.



    "Tiefe Brunnen muss man graben

    Wenn man klares Wasser will

    Rosenrot oh Rosenrot

    Tiefe Wasser sind nicht still"


    Hier wird es ganz eindeutig. Rosenrot steht für die Liebe. Rosenrot ist nämlich die Farbe der Liebe ist und Rosen sind ebenfalls die Blumen, welche man der Person seiner Begierde schenkt. Die Brunnen Methapher symbolisiert, dass für die Liebe gearbeitet werden muss. Häufig handeln verliebte Menschen emotional und würden alles Tun um an ihr Ziel zu gelangen. In manchen Länderen je nach Kulturkreis, werden verliebte Menschen sogar als krank diagnostiziert. Häufig wird irrational und bild gehandelt und negativ Konsequenzen dafür in Kauf genommen. Die Geschichte vom Jungen der auf den Berg steigt und dabei abstürzt passt zu diesem Kontext, auch passt das Musikvideo hierzu. Der Mönch gibt sich und seinen Glauben dabei komplett auf, nur um dem Mädachen seiner Träume zu imponieren. Für die Liebe werden also häufig schlimme und dumme Sachen getan und nicht selten opfert man sich solange auf bis es wehtut.

  • Interpretation von Sex


    Generell verstehe ich nicht warum der Songtext so negativ wahrgenommen wird, ich finde ihn nämlich ganz interessant, da er bewusst recht offen formuliert ist und sich deswegen recht vielseitig ausgelegt werden kann, ganz Rammsteintypisch eben.

    Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen. Der Song handelt nicht zwangsläufig nur über physischen Sex (auch wenn dieser auch Inhalt ist), sondern vielmehr über eine generelle Sexualisierung des Alltags und ganz konkret über die Sexsucht der Menschen.

    Z. B. lässt sich der Text auch ganz wunderbar als Beschreibung einer Pornosucht lesen. Es ist die Offenheit vieler Textzeilen, die die eigentliche Stärke des Textes beherbergen, am Ende ist nämlich egal ob virtuell oder körperlich, die krankhafte Sexualisierung und Sucht nach Sex ist nämlich das eigentliche Thema des Liedes.:



    "Ich seh dich an und mir wird schlecht. Überall das dralle Fleisch"


    Wer sich mit dem Thema Pornosucht beschäftigt, weiß vielleicht, dass irgendwann nur noch aus Routine onaniert wird. Der eigentliche Libido nimmt zunehmend ab und wird immer weiter heruntergerubbelt. "Normale" Sexuelle Inhalte verlieren zunehmend an Reiz, sodass neue Extreme gesucht werden. Am Ende konsumieren Betroffene häufig sexuellen Inhalten, die sie eigentlich nicht präferieren z.B. Schwulenpornos bei Heterosexuellen oder eben Pornos mit, ich nenne es mal sehr fülligen Frauen :D. Es ist eine Mischung aus Abscheu und der Suche nach immer neuen Kicks.


    "Ich schau dir tief in das Geschlecht"


    Ich denke jeder kennt das von Pornos, Nahaufnahmen der Geschlechter, da wird die Kamera fast schon reingehalten bzw. bei manchen Filmchen ist das tatsächlich der Fall. ;)


    "Und die Knie werden weich. Tausend Nadeln das Verlangen. Will Geruch mit Händen fangen

    Beißt das Hirn, kriecht in die Venen. Und es singen die Sirenen"


    Hier wird die Sucht nach Sex thematisiert. Das Hirn tritt in den Hintergrund, die Triebe übernehmen die Führung. Der Trieb ist so stark, wie tausende Nadeln (Ich denke die Anspielung auf Drogen ist hier bewusst so gewählt), er lenkt den Körper. Wird dem Verlangen nicht nachgegeben, treten Entzugserscheinungen auf.


    "Eine Faust in meinem Bauch"


    Die Faust als Metapher für besagte Entzugserscheinungen. Die Zeile lässt aber Interpretationsspielraum: Z.b. auf physischer Ebene z.b. für die sexuelle Praktik des Fistens oder eben auf die Pornosucht bezogen als Faust am Bauch, eben die Pose wenn die Hand zu einer Faust geformt wird, wie es beim onanieren der Fall ist.


    "Komm her. Du willst es doch auch. Sex"


    Der Refrain deutet darauf hin, dass nicht zwangsweise zwei Personen im selben Raum hier sind. Vielmehr kann man das Ganze so lesen, dass sich vom lyrischen ich gewünscht wird, eine Person zum Sex würde doch bitte herbeikommen. . "komm her", "Komm zu mir" 2x . (vielleicht die Person aus dem Porno?)



    "Besser liederlich als wieder nicht ."


    liederlich: Der Fokus liegt also nicht mehr auf einer Person bzw. auf einem Beuteschema. Nein, es geht einfach nur darum zu Kommen, alle Mittel sind dafür recht und es wird alles genommen bzw. angeschaut was gerade in Reichweite ist. Eigene Präferenzen, das Schöne, Gefühlvolle am Sex etc. tritt in den Hintergrund Hauptsache das Verlangen wird befriedigt.



    "Komm zu mir. Meins ist deins und das in dir. Sex. Komm zu mir"


    Hier aufs Neue der Wunsch ein Sexualpartner würde doch bitte in Natura vorbeikommen wiederholt. Auch interessant "Meins ist deins und das in dir". Bei Pornos generell und ganz explizit bei Pov Pornos wird in die Rolle eines Fremden während des Aktes geschlüpft. Somit ist eine Person, welche ein Sexfilmchen konsumiert, mehr oder weniger indirekt am Sex im Video beteiligt. So verschmilzt der Pornokosument mit den Akteuren im Porno, einmal durch das hineinversetzten in die Rolle des Aufreißers und eben durch das Eindringen in die Frau.


    "Wir leben nur einmal. Wir lieben das Leben"


    und dann am Ende des Songs


    "Wir leben nur einmal. Wir lieben das Leben. Wir lieben die Liebe

    Wir leben weil...Sex"


    Die Reduzierung des gesamten Lebensinhaltes allein auf den Liebesakt. Bei einer Sex/Pornosucht findet genau das statt. Haufenweise Lebenszeit wird eben in genau diese Triebbefriedigung gelegt. Weiterhin kann das ganze als Kommentar zu einer umfassend sexualliesierten Gesellschaft/ Medienlandschaft gesehen werden. Das "Sex" wird einmal fast schon roboterartig hohl nur noch gestöhnt.


    Ich finde eine Parallele ist auch ganz Interessant, aber das ist vielleicht zu weit hergeholt: Es gibt das bekannte Karnevalslied Viva Colonia. Da heißt es "Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust". Da sind gewisse Ähnlichkeiten zu Rammsteins Songtext "Wir lieben das Leben, wir lieben die Liebe weil Sex". Thematisch würde es auch passen, wer mal beim Karneval in Köln dabei war, weis wovon ich rede.:D


    "Ich seh dich an und mir ist schlecht...Ich schau dir tiefer ins Geschlecht"


    In der zweiten Strophe wird der Text nochmal wiederholt, wenngleich teils etwas extremer (tief --> tiefer).

    Sex nur noch als Sucht als sklavisches Verlangen. Freunde ist wie schon beschrieben nicht mehr vorhanden.



    "Häute fallen auf die Haut... Ein Verlangen unterm Bauch"


    Es wird von Häuten geredet, nicht zwangsweise von der eigenen Haut. Der ganze Pornokonsum/ Sexkonsum verschwimmt zu einer Masse. Wer es mit wem tut und was generell die Inhalte angeht, welche konsumiert werden, ist nicht weiter von belang. Wichtig ist, dass es getan wird. Das Verlangen unter dem Buch will befriedigt werden, diesem wird alle Zeit und Mühe gewidmet.


    "Wir leben weil.... Sex"


    Am Ende nochmal die Zusammenfassung. Wir leben, weil Sex. Die Gesellschaft, die Medien und der Alltag alles wird zunehmend sexualisierter, an jeder Ecke Sex. Am Ende ist es dieser Urtrieb dem nur noch nachgegangen wird und kann nicht im Leben alles darauf runtergebrochen werden?


    Das Thema des Textes ist also "Sex an jeder Ecke" also eine generell sexualisierte Gesellschaft. Dies wird gerade zum Ende des Liedes hin sehr deutlich, wo der Text eigentlich nur noch aus der Wiederholung von Sex, Sex, Sex, Sex, Sex .... besteht, mit dem Abschließenden "Wir leben weil Sex". Wie sehr der Sex in der Gesellschaft im Mittelpunkt steht, will uns Lied auch durch seinen Volksmusik ähnlichen Refrain verdeutlichen (+Parallelen zum Karnevalslied Viva Colonia). Denn obwohl Volksmusik bzw. die Mainstreammusik nach außen hin recht harmlos wirkt, gehts bei näherer Betrachtung bei 95% dieser Lieder auch nur um das Eine ;).

  • Interpretation zu Waidmanns Heil


    Ich gebe hier mal eine weitere Interpretation zum besten.

    Diesmal geht es um den Song Waidmanns Heil, welcher eigentlich eine einzige Doppeldeutigkeit darstellt. Dabei fasziniert es mich immer wieder, wie Till es schafft mittels Jägerjargon jeder Textzeile einen doppelten Boden zu verpassen. Das ist hohe Dichtkunst und gleichzeitig kann man mit der Verwebung beider Ebenen eine Aussage über die männliche Natur und unsere heutige Gesellschaft treffen.:/


    In Waidmanns Heil geht es um zwei Formen der Jagd, welche beide die natürlichen Aufgaben des Mannes repräsentieren. Diese bilden einerseits die Nahrungsbeschaffung und andererseits die Fortpflanzung. Gejagt wird also nach Essen und nach Frauen, beides wunderbar verpackt in den Liedzeilen.8)


    Ich bin in Hitze schon seit Tagen


    Die Hitze bildet hier den Urinstinkt des Mannes ab. Dieser besteht wie schon beschrieben aus der Futtersuche oder aus der Suche nach einer Geschlechtspartnerin. Der Protagonist wünscht sich also nach einer langen Durststrecke entweder mal wieder zu vögeln oder mal wieder etwas zu jagen. Die Jagd bereitet dem Mann dabei ähnlichen Spaß wie der Sex, es ist ein Instinkt, welcher befriedigt werden muss, wenn dies nicht geschieht entsteht Druck. Gemeint ist also sowohl der Spaß an der Jagt, aber auch ganz simpel der Hunger.


    So werd ich mir ein Kahlwild jagen.


    Dem Druck muss also entgegengewirkt werden, hier bietet sich die Jagd nach einem Kahlwild an. Das Kahlwild meint dabei im Jägerjargon ein junges weibliches Rotwild. Dieses soll gejagt werden, weil es einerseits leichte Beute ist und der Jäger damit schnell an Futter kommt. Andererseits kann damit natürlich auch eine sehr junge, attraktive Frau gemeint sein, von der eine starke sexuelle Anziehungskraft ausgeht.


    Und bis zum Morgen sitz ich an


    Der Jäger muss nun geduldig sein, eine erfolgreiche Jagd braucht Zeit. Das trifft sowohl auf die Liebe zu, als auch auf die Jagd nach Tieren. Gejagt wird dabei meistens Nachts, da die Tiere den Jäger so nicht bemerken oder eben im sexuellen Sinne in Diskos, Bars usw.


    Damit ich Blattschuss geben kann


    Der Blattschuss ist ein Volltreffer. Mit diesem kann ein großes Tier mit nur einer Kugel erlegt werden. Dieser kann auch metaphorisch als Schuss von Amor also dem Pfeil im Herzen interpretiert werden. Also im Sinne von: Das Erobern des Frauenherzes oder eben als: Zum Schuss kommen, also beim Sex zu kommen.


    Ein Schmaltier auf die Läufe kommt

    Hat sich im höhen Reet gesonnt

    Macht gute Fährte tief im Tann

    Der Spiegel glänzt, ich backe an


    In der zweiten Strophe erblickt nun der Jäger ein geeignetes Jagdziel. Dieses ist ein Schmaltier also ein Wild, welches noch nicht begattet wurde oder eben eine Jungfrau. Dieses verfolgt er einige Zeit von einer Lichtung bzw. Wiese (Reet) bis in den Wald (Tann). Auf Frauen bezogen, hat der Jäger das Mädchen vielleicht draußen auf den Straßen entdeckt und folgt dieser in die nächste Lokalität. Dabei macht sie eine gute Figur (vielleicht tanzt aufreizend etc.). Der Spiegel ist dabei für den Jäger besonders interessant, gemeint ist die helle Färbung am Hinterteil des Tieres. Man könnte auch sagen die Frau hat einen geilen Hintern. Diese Gelegenheit lässt sich der Jäger nicht entgehen und bleibt an seiner Beute dran.


    Der Wedel zuckt wie Fingeraal

    Die Flinte springt vom Futteral

    (Waidmanns, manns, manns, manns Heil)

    Ich fege mir den Bast vom Horn

    Und gebe ein gestrichenes Korn
    Waidmanns, manns, manns, manns Heil


    Nun hat der Jäger es fast geschafft. Er ist so nah an seiner Beute, dass er nun angreifen kann.


    Der Jagderfolg scheint ihm sicher, was an den eingeschobenen Waidmanns, manns, manns Heil repräsentiert wird. Eine Floskel die das Jagdglück heraufbeschwören soll bzw. sollte dieses eintreten, auch gesagt wird. Dabei zuckt der Wedel des Tierens ähnlich wie die Finger (Fingeraal - im übrigen ein schöner Neologismus) des Jägers leicht zittern, vielleicht aus Vorfreude, weil sein Ziel in greifbarer Nähe ist oder eben weil der Finger beim Abschuss abdrückt. Er nimmt die Flinte also aus dem Behältnis (Futteraal) in die Hände. Dabei bemerkt er, dass an seinem Jagdhorn Rindenreste (Bast vom Horn) hängen, welche vielleicht beim Büsche durchstreifen, daran hängen geblieben sind. Diese streift er ab. Dann stellt er sein Zielfernrohr ein (Korn) und ist bereit abzudrücken.


    Natürlich ist das alles super Doppeldeutig, die Flinte meint ganz klar ebenfalls ein Phallussymbol. Vielleicht hat der Mann nun das Mädchen verführt und sie liegt vor ihm im Bett. Er zieht sich also die Hose (Futteral) aus und der Penis (Flinte) springt heraus. Da der Mann wie eingangs erwähnt schon eine längere Durststrecke hinter sich hatte, kann er sich nun endlich Den Bast vom Horn fegen, also die alten Rückstände bzw. Druck loswerden, da er nun endlich zum Schuss kommt. Den Bast vom Horn also vom Geweih fegen sich auch Tiere, wenn sich daran Hautrückstände befinden. Hiermit könnte also ein (männlicher) Hirsch gemeint sein, da diese das größte Geweih haben. Seine Aufmerksamkeit gilt nun nur noch der Frau, er nimmt sie ins Visir (Korn) und es geht los.


    Nun geht es zur Sache, der Sex bzw. der Abschuss wird dabei wunderbar durch das Musiksolo untermauert, welches zu dem Zeitpunkt des Liedes einsetzt und richtig nach Vorne geht.^^

    Danach ist die Jagd vorbei.


    Sie spürt die Mündungsenergie

    Feiner Schweiß tropft auf das Knie


    Sie also das das Schmaltier spürt die Mündungsenergie des Schusses und wird erlegt, die Jagd ist also geglückt. Da die Jagd anstrengend war, schwitzt der Jäger.

    Sie also die Frau kann aber ebenso die Mündungsenergie spüren indem der Mann auf/in sie ejakuliert, auch hier ist die Jagd geglückt und schweiß tropft, weil der Sex anstrengend war.



    Zusammenfassend kann man also sagen, wie beschrieben ist der Text eine einzige Doppeldeutigkeit :D. Genial ist dabei einfach, wie jede Zeile zweideutig ausgelegt werden kann. Es geht also wie in Du riechst so gut wieder einmal um das animalische im Meschen bzw. explizit im Mann. Der Text zieht dabei seine Parallele bewusst so, dass die Fortpflanzung und die Nahrungssuche auf einer Ebene stattfinden und geschickt miteinander verwoben werden.

    Daraus ergeben sich einige Fragen: Nämlich fällt in heutiger Zeit eine dieser Urfunktionen des Mannes weg: Nämlich die Jagd. Männer müssen sich also in ihrem Lebensinn umorientieren. Das ist nicht ganz einfach, denn da arbeitet die Natur nun gegen die sozialen Konventionen. Ein spanender Film zu diesem Thema ist im übrigen Fight Club ;). Ein Ausgleich muss also her, dieser gelingt mal mehr mal weniger Geschickt über Hobby oder den Beruf. Manche Männer verüben aus diesem Grund eventuell auch Verbrechen und andere Menschen gehen für diesen Ausgleich nun ja ... eben auf die Jagd.

    Diese praktizieren sie aber rein zwecks des Spaßes. Hier darf kritisch gefragt werden, ob dieses Verhalten rein spaßeshalber nicht problematisch ist? Gleichzeitig steht der Mann, aber unter Druck (Hitze), gehört die Jagd doch zu seinen Grundaufgaben. Diesen aufreibenden Konflikt mit den natürlichen Instinkten, brüllt TIll im Refrain passend und leidvoll heraus:


    Auf dem Lande, auf dem Meer lauert das Verderben


    Das ist nun wieder Jägerjargon. Im Kontext des Liedes meint diese Refrainzeile. Egal wo wir sind, überall sind wir unseren Instinkten ausgesetzt. Wir können uns nicht verstecken, immer üben diese Druck aus und wollen uns den Weg diktieren.


    Die Kreatur muss steeeeerben


    Dieser Urzustand in uns, also die Kreatur im Menschen/ Mann bzw. das Animalische findet aber in unser heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr. Sie muss deswegen sterben. Das Wort sterben brüllt Till dabei so intensiv und leidvoll, weil diese Überwindung bzw. das zuwider Handeln gegen die Natur Schmerzvoll ist.

  • Interpretation zu Stein um Stein


    Weils mir irgendwie Spaß macht und ich derzeit glücklicherweise auch die Zeit dazu finde, werde ich wohl in regelmäßigen Abständen hier mal die ein oder andere Textinterpretation von Till hochladen.

    Nun zur nächsten Interpretation.

    Diesmal geht´s um Stein um Stein einen wunderbar düsteren Song über einen Psychopathen, der sein Frau umbringt und diese anschließend auf dem Grundstück einbetoniert und ein Haus auf ihr errichtet.

    Nein Spaß ;) im Song steckt doch einiges mehr als dieses Schauermärchen, wobei das Lied auch wunderbar auf dieser Ebene funktioniert. Toll ist dabei ebenfalls, wie Till die Emotionen durch seine Stimme transportiert. Während manche Stellen sehr zärtlich und gefühlvoll klingen, wechselt sein Tonfall dann plötzlich wieder zu Wutausbrüchen, welche eindringlich herausgebrüllt werden.

    Und hier sind wir dann auch schon beim eigentlichen Thema von Stein um Stein. Es geht mal wieder um Gefühle, genauer gesagt um die Ehe. Laut Till haben Gedanken um eine eventuelle Hochzeit mit seiner damaligen Freundin, ihn zu diesem Text inspiriert. Nun ja und wie man es von Till halt kennt, kommt die Liebe und die Aussicht auf eine glückliche Partnerschaft in den Liedzeilen nicht besonders gut weg :D Dabei sind es gerade sehr passende und vielsagende Metaphern, welche dem Song seine besondere Note verleihen.


    Inhaltlich kann man den Text auf verschiedene Formen der Ehe anwenden z.b. Zwangsehen oder wie im Mittelalter politisch motivierte Zweckehen.

    Ich entscheide mich bei meiner Interpretation aber für eine Ehe aus Liebe, welche dann im Laufe der Zeit immer mehr zum Albtraum mutiert. Das wird wie ich finde einerseits durch die anfangs gefühlvolle später hasserfüllte Stimme von Till gut transportiert. Andererseits lässt das metaphorische Einmauern, bei dem die Wände Stein um Stein langsam aufgezogen werden, auf einen Prozess schließen. Diese Ehe war also nicht immer schlecht, oft verlieben sich Menschen ineinander und blenden anfangs alle negativen Eigenschaften des Gegenübers aus. Schlechend verschlechtert sich dann die Situation und wird die Misere dann erkannt, ist es eventuell schon zu spät (z.B. durch Kinder, Finanzielle Abhängigkeiten usw. ). Gut würde hier eine Ehe im Kontext der 50,60 er Jahre passen. Eine Zeit in der klare Rollenvorstellungen herrschten, der Mann den Ton angab und nach außen hin die vorzeige Familie repräsentiert wurde. Zu dieser Zeit war eine Scheidung gesellschaftlich sehr verpönt, sodass ein Ausbruch aus einer toxischen Partnerschaft nach Besiegelung des Ehegelübtes kaum noch möglich war.


    Ich habe Pläne große Pläne

    Ich baue dir ein Haus


    Am Anfang der Partnerschaft gibt es Pläne, Träume, Ziele und Wünsche. Das Haus steht hier repräsentativ für den Familiensitz, hier wird sich niedergelassen und es bildet das Zentrum dieser Ehe, es steht gewissermaßen stellvertretend für diese Ehe. Schon in den ersten Zeilen des Textes fällt auf: Die Beziehung ist wohl asymmetrisch. Nur eine Person hat hier die Pläne. Sie gibt den Ton an, sie baut das Haus bzw. die Familie nach den eigenen Vorstellungen auf, die andere Person kommt nicht zu Wort.


    Jeder Stein ist eine Träne

    Und du ziehst nie wieder aus


    Nun folgt ein Ausblick auf das was kommt. Das Haus also die Ehe bzw. die Familie wird nun also über einen längeren Zeitraum aufgebaut. Dabei werden viele Etappen mit , Streit, Ängsten und Schmerzen folgen. Diese werden repräsentiert durch Tränen, welche Teil dieses Hauses werden. Wir erfahren auch, dass es für die andere Person kein zurück mehr aus dieser Beziehung (z.B. durch finanzielle Abhängigkeiten, gesellschaftliche Zwänge, Kinder, Hoffnungen, Angst etc.) geben wird. Sie wird damit auch Teil des Ganzen Dilemmas bzw. Teil des Hauses.


    Ja ich baue ein Häuschen dir

    Hat keine Fenster keine Tür

    Innen wird es dunkel sein

    Dringt überhaupt kein Licht hinein

    Das Haus das nun also errichtet wird, ist kein Offenes, mit Ausgang bzw. Blick nach draußen. Nein es ist ein dunkler Ort ohne Licht und voller Kälte. Niemand kann ins Haus blicken, eine Fassade wird also errichtet, welche der Gesellschaft dann präsentiert wird. Nach außen hin wirkt das Leben der Familie vielleicht harmonisch, schön und tadellos. Niemand weiß von den Abgründen, welche wahrscheinlich der Öffentlichkeit verschwiegen werden. Es wird der Schein gewahrt, doch nach innen, gibt es diese Fassade nicht. Hier gleicht das Haus einem Gefängnis, ohne Aussicht je wieder nach draußen zu gelangen.


    Ja ich schaffe dir ein Heim

    Und du sollst Teil des Ganzen sein

    Diese Fassade, dieses Bild soll also der Gesellschaft vorgezeigt werden, dabei wird das Gegenüber Teil das Ganzen. Es soll also dazu genutzt werden, das perfekte Familienleben zu präsentieren. Dabei dient es in seiner Funktion eher als Equipment des Hauses als als gleichberechtigter Ehepartner.


    Ohne Kleider ohne Schuh

    Siehst du mir bei der Arbeit zu

    Mit den Füssen im Zement

    Verschönerst du das Fundament

    Wieder baut hier nur einer das Haus, die andere Person, darf nicht mitbestimmen und nur zusehen. Das spiegelt eine klassische Rollenverteilung wieder,, ähnlich wie es noch in den 60 er Jahren der Fall war. Die eine Person wird hier wohl der Mann sein, der klassisch arbeitet, die andere Person ist die Frau, welche im Haus (Haushalt, Kinder) bleiben muss. Hier wird sie sogar metaphorisch in das Haus einzementiert, sie gehört nun zum Inventar des Hauses. Sie ist mehr eine Zierde der Hausfassade, als eine Selbstbestimmte Person sie verschönert das Fundament.


    Dabei hat sie weder Kleidung noch Schuhe an. In einer Ehe wird sich nicht nur physisch voreinander ausgezogen. Die Ehepartner wissen nahezu alles voneinander, jedes intime Detail. Diese Nacktheit macht sehr verletzbar und schafft Abhängigkeiten. Weiterhin kann der schöne nackte Körper der Frau als Metapher für die Vorzeigefamilie interpretiert werden. So hat der Mann hier eine Dame, die er bei Veranstaltungen der Gesellschaft vorführen kann, er erfüllt das Kleinbürgerliche Ideal mit einer treuen, hübschen Frau, welche auf ein Perfektes Leben schließen lässt. Wie eine Trophäe wird sie der Welt präsentiert, ihr Innenleben bleibt verborgen.

    Draußen wird ein Garten sein

    Und niemand hört dich schreien

    Die Abgründe lauern hinter dieser perfekten Fassade und bleiben der Außenwelt verborgen. Die Fassade wird hier durch den schönen Garten veranschaulicht. In das Haus kann aber niemand blicken und das wahre Leid bleibt im Dunkeln. Niemand hört die Frau (innerlich) schreien.

    Stein um Stein mauer ich dich ein

    Stein um Stein

    Dieser Prozess geschieht wie eingangs erwähnt schleichend, Stein für Stein dringt in das Haus und in das Leben der Ehegattin immer weniger Licht.


    Ich werde immer bei dir sein

    Welch ein Klopfen welch ein Hämmern

    Draußen fängt es an zu dämmern


    STein um STein dringt weniger ziehen sich die Mauern hoch. Es gibt genügend Anzeichen dafür, welche Abgründe hinter dem Haus lauern. Diese präsentiern sich klopfend und Hämmernd, doch diese werden (vielleicht durch Verliebtheit) zu lange ignoriert und in dem Moment, wo der Partnerin klar wird, dass sie bald eine Gefangene in der Ehe sein wird, ist es schon zu spät. Das Ganze wird schön umschrieben durch die Metapher der dämmerns. Dämmern bedeutet einerseits Sonnenaufgang, kann aber auch Sonnenuntergang bedeuten. In diesem Falls wohl eher Zweiteres. Als es der Frau also dämmert, dass sie bald in dieser Ehe gefangen sein wird, ist es bereits zu spät. Die Mauern werden hochgezogen und die Dämmerung bricht an und mit ihr kommt die vollkommene Dunkelheit.


    Alle Nägel stehen stramm

    Wenn ich sie in dein Leibholz ramm'

    Steeeeeeein

    Das ist der Moment, in dem die Frau vollkommen in das Haus also die Ehe eingenagelt wird. Leibholz ist dabei ein toller Neologismus. Sie ist fortan ein Rohstoff des Hauses, so eng in die Ehe eingearbeitet, dass es keinen Weg mehr zurückgibt.

    Hier kann der stramme Nagel auch als Phallussymbol interpretiert werden. Geschlechtsverkehr war früher ja erst nach der Hochzeit erlaubt. Durch die Entjungferung war die Ehe fortan besiegelt.

    Die Nägel, welche mit dem Wort ramm eingearbeitet werden, folgt mit einem Schrei das Wort Steeein – ja es fällt kaum auf, aber hier wird Rammstein gebrüllt und damit geschickt in den Text eingeflochten. Rammstein steht eben für eine negative Sicht auf die Liebe :D


    Und keiner hört dich schreien


    Am Ende nochmal die bittere Gewissheit. Die Ehepartnerin ist fortan eine Gefangene in der Lebensplanung eines anderen. Sie ist nun passiver Teil einer perfekten Familienfassade, aus dem es keine Hintertür mehr gibt. Dieser Zustand bereitet ihr Qualen, aber niemand erfährt von diesem Schreien, denn nach außen hin präsentiert die Familie für Jedermann die perfekte Fassade.

  • Interpretation von Amour


    Hier die nächste Textinterpretation von Till, diesmal zum Song Amour.

    Ich persönlich muss ja sagen, dass ich das Lied gerade in meiner Jugend verdammt oft gehört hatte und deswegen einiges damit verbinde. Immer als es mir mal schlecht ging oder andere Menschen mich enttäuscht/ verlassen hatten, beschrieben diese Worte die Trauer perfekt. Gerade Tills düstere, ruhige Stimme baut dabei einfach so eine schön, melancholisch- schaurige Atmosphäre auf, die einen sofort in den Bann zieht.


    Ich teile Rammsteinsongs gerne in verschiedene Kategorien ein. Bisher hatte ich in diesem Thread nur solche analysiert, die Doppeldeutig waren. Das ist bei Amour anders. Dieser Song setzt wie z.B. auch Ohne Dich oder Feuer und Wasser auf eine emotionale, atmosphärische Beschreibung. Nun ja zum Inhalt muss man deswegen nicht viel sagen - könnte man anfangs denken. Hinter dem recht offensichtlich geschilderten, kann man doch gewisse Details erkennen, was gerade das Ende des Liedes recht interessant macht.^^


    Generell kann man den Inhalt in 3. Aspekte unterteilen:



    Der erste Aspekt wird dabei, in den Strophen geschildert und beschreibt das Wesen der Liebe:


    Die Liebe ist demnach ein wildes Tier. Dabei ist sie auf die menschliche Existenz angewiesen, braucht diese zum überleben und jagt sie deswegen: Sie atmet dich sie sucht nach dir. Das ist logisch, denn Menschen verlieben sich und ohne Menschen würde es keine Liebe geben (ich klammere jetzt mal Tiere aus). Die Liebe ist dabei eine Art Parasit, der sich bei einem Wirt einnistet und diesen mit der Zeit immer weiter aussaugt: Saugt sich fest an deinen Lippen. Die Liebe ist, also nicht gutmütig, denn sie birgt Schmerzen (Sie beißt und kratzt und tritt nach mir). Das fällt Betroffenen häufig aber erst nach einiger Zeit auf, was den Weg zurück immer schwieriger macht (Hält mich mit tausend Armen fest --> Gefangen zwischen deinen Zähnen). Die Liebe ist also in ihrer Art und Weise ein böses Wesen, das wird unmissverständlich klar gemacht und spiegelt einmal mehr Tills kritische Sicht auf dieses Thema wieder. Das wird in eindrucksvolle Metaphern verpackt, die glaube ich jeder nachvollziehen kann, der einmal Liebeskummer hatte.;(



    Der Zweite Aspekt des Songs geht auf den Prozess der Liebe ein und das in 4 Schritten:


    1. Geht auf Jagd bei Kuss und Kerzen -->Lässt sich fallen weich wie Schnee: Es fängt dabei ganz harmlos an. Erst ist alles schön, es gibt viele romantische Momente. In dieser wunderschöneren perfekten Regenbogenwelt geht die Liebe auf die Jagd. So gelangt sie an ihre Beute und zerrt diese in ihr Liebesnest. Dabei verlieben sich in der Regel Personen ineinander, die zur Zeit nicht in jemand anderes verliebt sind (Nistet auf gebrochenen Herzen). Vielleicht hatten sie zuvor eine Trennung hinter sich und sind deswegen Single. In dieser Anfangsphase der Liebe ist noch alles total harmonisch und es stehen nur die Positiven Aspekte im Vordergrund. Oft wird verliebten Menschen auch unterstellt, dass sie alles durch die rosarote Brille sehen, eben nicht mehr richtig urteilen können.


    2. Einmal verliebt, gibt es kein entrinnen mehr, Verliebte werden werden mehr oder weniger eingesaugt und führen Fortan ein Leben, dass geprägt ist von der Liebe(Frisst mich auf mit Haut und Haar) Der Einfluss der Liebe geht soweit, dass sie tief in die Personen eindringt (Gräbt sich Gänge durch die Rippen) So ziehen Menschen zusammen, heiraten, gründen eine Familie und teilen intimste Details miteinander. Menschen gehen also irgendwann vollständig in einem Leben auf, das durch die Liebe geprägt bzw. veranlasst wurde. Dieser Zustand kann lange Zeit andauern bis irgendwann die Schmerzen kommen.


    3. Erst wird es heiß dann kalt am Ende tut es weh: Oftmals geschieht dies wenn die Beziehung routiniert verläuft und die erste heiße Phase am abklingen ist. Hier realisieren Menschen dann häufig erst die negativen Aspekte ihres Partners. Dabei kann es zu Differenzen bzw. Streitigkeiten kommen, welche in ihrer Menge immer häufiger vorkommen. Schließlich wird sich dann gegenseitig verletzt (beißt und kratzt und tritt nach mir).


    4. Im letzten Schritt kommt es dann zur Trennung bzw. zur Scheidung. Dieser Entschluss wird häufig erst nach langer Zeit gefasst und stellt einen Neubeginn dar (Und würgt mich wieder aus nach Tag und Jahr). Oftmals beginnen frisch getrennte Menschen dann wieder ein vollkommen neues Leben. Es werden neue Bekanntschaften gemacht, eine neue Unterkunft gesucht usw. Nun schließt sich wieder der Kreis zum Anfang, denn die Liebe nistest auf gebrochenen Herzen. Ist also die zuvor unglückliche Liebe nun endlich vorüber, beginnt der ganze Prozess von vorne und es wird sich wieder verliebt (In die Augen starrt sie dir--> Verzaubert wenn ihr Blick dich trifft) .

    Somit entsteht ein Teufelskreis und die Liebe verzaubert ihre Opfer von Neuem. Diese werden anschließend die 4. Stufen der Liebe wieder durchleben und das immer so weiter. Alle mit dem einen Ziel vor Augen nämlich die gutmütigen Liebe zu finden, vielleicht also endlich den perfekten Partner zu treffen (Alle wollen nur dich zähmen). Die Liebe ist aber wie schon beschrieben bösartig und es wird immer auf das Gleiche hinauslaufen (Am Ende gefangen zwischen deinen Zähnen).



    Der Dritte Aspekt des Songs bildet dann schließlich das Ende, welches Interpretationsspielraum eröffnet:


    Die erste und gängigste Variante, wie das Ende gedeutet werden kann, ist Suizid. Bitte bitte gib mir Gift meint nach diesem Ansatz, dass die betroffene Personen, um das böse Wesen der Liebe weis und sich deswegen umbringt. Ihr wird vielleicht nach einer weiteren gescheiterten Beziehung bewusst, dass die Liebe immer in diesem Teufelskreis endet und entschließt sich deswegen durch einen Suizid diesem Schicksal zu entgehen. Ich halte diese Interpretation von Till für gewollt, aber nicht die Eigentliche.


    Berücksichtigt man nämlich den Kontext heißt es in den Zeilen direkt zuvor: In die Augen starrt sie dir --> Verzaubert wenn ihr Blick dich trifft. Wurde also im Song zuvor die Sicht einer Person geschildert, die die Liebe gerade hinter sich hatte, ist das der Wendepunkt und sie verliebt sich erneut. An dieser Stelle blickt die Liebe diesem Menschen wieder in die Augen und es wird eben beschrieben, wie dieser Mensch verzaubert wird. Dieser steht deswegen erneut vollkommen unter dem Einfluss der Liebe und bettelt deswegen nach diesem Gift. Das Gift ist in diesem Kontext aber kein physisches Gift, sondern eine Metapher für die Liebe. Diese wird nämlich im ganzen Song als etwas Negatives beschrieben, die Assoziation mit Gift macht deswegen Sinn. Somit beginnt der Teufelskreis von neuen. Die zuvor enttäuschte Person verliebt sich wieder, wird eben von der Liebe verzaubert und bettelt deswegen nach ihr. Infolge dessen wird sie wieder den ganzen Prozess der Liebe durchleben, an dessen Ende die Schmerzen warten. Es gibt also kein entrinnen.


    Es macht deswegen mehr Sinn das Ende als erneuten Beginn dieses Zyklus zu interpretieren.

    Man muss diesen Neubeginn aber nicht zwingend nur negativ auslegen. Geht man nämlich davon aus, dass die im Song getroffenen Aussagen nicht Allgemeingültig für die Liebe stehen, sondern aus der subjektiven Perspektive des lyrischen Ichs entstanden sind, kann man das Ende auch positiv werten. Demnach war das lyrische Ich zu Beginn des Textes noch enttäuscht von der Liebe, hatte Liebeskummer, Schmerzen usw. und hat deswegen die Welt schwarz gesehen. Nun verliebt es sich aber am Ende des Songs erneut und sieht die Welt im Anbetracht dieser Umstände nun anders. Somit weiß es aus den alten Erfahrungen, dass die Liebe Schmerzen bedeuten kann und nennt sie deswegen auch Gift, verlangt aber eindringlich nach der Liebe. Diese Person will also trotz aller negativer Aspekte der Liebe, sich trotzdem wieder erneut verlieben.

    Weil eben die Liebe auch viele schöne Facetten hat und es sich für diese lohnt zu lieben und wer weiß, vielleicht kann man die Liebe am Ende eben doch zähmen.;)