• Ich leb noch immer bei Mama
    Jetzt schon alt, doch immer da
    Auch wenn die Ärmel jetzt länger sind
    Bin ich immer noch ihr kleines Kind


    Wir sind allein, doch viel zu zweit
    Und teilen gern ein halbes Leid
    Das Haus ist klein, die Stille groß
    Sie zwingt mich oft auf ihren Schoß


    Ich leb noch immer bei Mama
    Und bleibe wohl für immer da
    Im Haus fehlt lange schon ein Mann
    Ich helfe aus, so gut ich kann
    Viel Liebe schenkt mir Mutter nicht
    Doch schlägt sie immer noch in mein Gesicht
    Und ab und zu hab ich geweint
    Da hat sie lächelnd nur gemeint


    Ein Mann weint nur, wenn seine Mutter stirbt
    Der Tod ist stark, das Herz ist schwach
    Wenn das eigen Fleisch im Blut verdirbt
    Der Klügere gibt nach


    Auch den Vater konnte sie nicht lieben
    Hat ihn aus der Welt getrieben
    Dann und wann ein stummer Schrei
    Und eine kleine Litanei
    Viel Liebe gab ihm Mutter nicht
    Doch schlug sie oft in sein Gesicht
    Ab und zu hat er geweint
    Da hat sie lächelnd nur gemeint


    Ein Mann weint nur, wenn seine Mutter stirbt
    Der Tod ist stark, das Herz ist schwach
    Wenn das eigen Fleisch im Blut verdirbt
    Der Klügere gibt nach
    Du solltest dich schämen
    Zeig nie deine Tränen
    Du solltest dich schämen
    Zeig nie deine Tränen
    Deine Tränen


    Deine Tränen
    Deine Tränen

  • An und für sich recht eindeutig. Aber man sollte auch mal erwähnen, dass Missbrauch durch Frauen durchaus ein unterschätztes Thema ist und in den Kritiken recht wenig Beachtung dafür fand. Ist wohl wieder so ein heißes Eisen, wenn Frauen mal als Täter benannt werden. Finde es aber konsequent, gerade nach Hallomann und auch so an Dramatik gelungen.


    Ein paar Ideen würde ich aber gern lesen zu: "Wenn das eigen Fleisch im Blut verdirbt Der Klügere gibt nach."

    Worauf bezieht sich das eurer Meinung nach?

    Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein


  • An und für sich recht eindeutig. Aber man sollte auch mal erwähnen, dass Missbrauch durch Frauen durchaus ein unterschätztes Thema ist und in den Kritiken recht wenig Beachtung dafür fand. Ist wohl wieder so ein heißes Eisen, wenn Frauen mal als Täter benannt werden. Finde es aber konsequent, gerade nach Hallomann und auch so an Dramatik gelungen.


    Ein paar Ideen würde ich aber gern lesen zu: "Wenn das eigen Fleisch im Blut verdirbt Der Klügere gibt nach."

    Worauf bezieht sich das eurer Meinung nach?

    Spontan kommt mir grad eine Verbindung zu "Giftig" in den Kopf, man könnte die Zeile als Fortsetzung des Liedes und seinem Thema der toxischen Beziehung verstehen. Der Stachel sitzt dort bereits tief, nun verdirbt es das Fleisch des eigenen Blutes (Verwandtschaft, Beziehung) weswegen der Klügere vielleicht das Weite suchen sollte.

    In dieser Welt ist alles ein Zauber, außer dem Zauberer

  • Ich denke es bezieht sich auf den Hass, oder die Hass-Liebe den/die beide füreinander spüren , denn es sollte ja nur Liebe da sein und verdirbt zu Hass. Man sagt ja oft" Blut ist dicker als Wasser".


    Mit dem nachgeben könnte gemeint sein, dass er keine Kraft hat, sich von der Mutter zu lösen und alles hinnimmt, was sie ihm antut, weil es ja eben seine Mutter ist und sie zu viel Einfluss auf ihn hat...

  • Hier mal mein Gedanke:


    Das eigene Fleisch (also Kind) verdirbt im Blut, also im Grunde im Herzen, so sehr, dass es selbst die Anlage hätte wieder Täter zu werden. (Ist ja leider auch oft so.) Damit hätte es also der Gewalt nachgegeben, weil es sich nicht innerlich genügend davor schützen konnte. Die Bezeichnung "der Klügere gibt nach" ist ironisch und zynisch gleichermaßen. Weil die hartherzige Mutter kein Stück von ihrer Linie abweicht, muss das Opfer sich in das Spiel einfügen und wird selbst immer aggressiver.


    Allerdings passt diese Interpretation nicht so gut zur Zeile davor. Es sei denn, man deutet es so, dass der Tod ein starkes Gefühl in einem geschwächten Herzen hinterlässt, also ein Mord an einem Unbeteiligten Befriedigung auslöst. Das wäre aber sehr weit gedacht und ich würde nicht sagen, dass die Botschaft so darüber hinausgeht.

    Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein


  • Ein paar Ideen würde ich aber gern lesen zu: "Wenn das eigen Fleisch im Blut verdirbt Der Klügere gibt nach."

    Worauf bezieht sich das eurer Meinung nach?

    Nach meiner Interpretation ist damit gemeint, dass die Mutter stirbt (das eigen Fleisch und Blut verdirbt) und das Kind, trotz der Misshandlungen usw., ihr vergibt. Das Kind ist demnach „der Klügere“, weil es selbst weiß, dass ihr Verhalten nicht gut ist, einfach gesagt. Würde für mich passen, da das Ich in der Geschichte keinen Groll oder Hass gegen die Mutter äußert.


    edit: „verdirbt“ könnte auch meinen, dass die Mutter einfach verdorben ist/wird im Sinne von ihrem Verhalten.

    Aktuell auf Repeat --> Spotify

    Mäddel Musik.... ---> Spotify

    Meine Vinyl (und CD) Sammlung --> Discogs


    11.12.2004 - Westfalenhalle Dortmund

    18.12.2009 - Velodrom Berlin

    06.02.2010 - Westfalenhalle Dortmund

    09.12.2011 - Festhalle Frankfurt

    03.02.2012 - TUI Arena Hannover

    11.07.2016 - Waldbühne Berlin

    02.07.2019 - HDI Arena Hannover

    29.07.2019 - Olympiastadion Luschniki Moskau

    04.02.2020 - Swiss Life Hall Hannover (Lindemann)

    Einmal editiert, zuletzt von don@lexXx ()

  • Freut mich , dass die älteren Lieder wie bzw. Spiel mit mir und vor allem das selbst noch sehr junge bisherige Nesthäkchen Lied Puppe nun ein neues Geschwisterchen an die Seite gestellt bekommen hat .

    Diese ergänzen sich im Katalog insgesamt sehr gut .

    Bei Lindemann wird ja in einer regelrechten Balance in seinem Werk immer auf Yin und Yang geachtet

    Wo gut ist , da ist auch Böse, wo Leid ist da ist auch Freude, wo Schmerz ist da ist auch Lust , wo Sonne ist da ist auch tiefstes Schwarz

    Wo es kranke gestörte Männer , Väter und Brüder gibt , da gibt es tatsächlich auch kranke gestörte Frauen bzw. Mütter

    Es wird alles von allen Seiten , Möglichkeiten und vor allem aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet bzw. in der Rammsteinischen Werkschau beleuchtet

  • Meine Tränen finde ich ist mit eins der stärksten / emotionalsten Lieder auf dem Album. Zwar auch eher ruhig aber dafür richtig gut gelungen.

    12.12.2004 Dortmund 2 Reihe
    24.06.2005 Berlin Wuhlheide
    25.06.2005 Berlin Wuhlheide
    26.06.2005 Berlin Wuhlheide
    29.11.2009 Köln
    30.11.2009 Köln Vip Loge
    22.05.2010 Berlin Wuhlheide
    04.12.2011 Düsseldorf :spring:
    27.05.2019 Gelsenkirchen

  • So, nach einem dutzend Mal hören habe ich den Sinn des Liedes - für mich zumindest - erschlossen.


    Auch, wenn die Zeile "Sie zwingt mich oft auf ihren Schoß" etwas sexuell konnotiertes hat, so ist dies sicherlich der Mehrdeutigkeit halber gewollt, aber tatsächlich sinnverfälschend.


    Damit ist wohl eher gemeint, dass sie nicht aufhört, den Jungen zu pampern, er nicht die Freiheit bekommt sich von der Mutter zu lösen. Dazu die Anspielung auf den Vater, der wohl "gegangen wurde" und nun der Buhmann ist, der die arme kleine Familie zerstört hat (obwohl er regelrecht vertrieben wurde!).


    Insofern ist dieser Song nichts anderes als Kritik am Feminismus, welcher einzig darin besteht, eine Täter-Opfer-Umkehr zu fahren. Frauen, die alle Schuld am Versagen ihres Lebens den Männern aufbürden und ihre Einzelkinder dann wie kleine hörige Frauendiener großziehen, die unterwürfig und fremdbestimmt leben werden (was wiederum dazu führt, dass sie sich in Beziehungen niemals durchsetzen können, womit der Kreis zum Vater geschlossen wird, der geschlagen wird und fliehen muss).


    Es geht hier also mal gar nicht um irgendetwas Sexuelles, sondern um ein gesellschaftliches, viele Einzelthemen umfassendes Problem: Verlust der klassischen Familie, Misandrie, fehlgeleiteter Feminismus, Beziehungsunfähigkeit.


    Man muss nicht in jedem Rammsteinlied nach Ficki-Ficki suchen, scheint bei manchem schon fast chronisch zu sein. Aber damit spielen die Jungs halt auch ;)

  • Klingt schlüssig bei dir, aber die Arroganz anderen ihre Interpretation als falsch zu zerreden, muss man eben auch erst mal haben.


    Zumal dieses "Ein Mann weint nicht" auch einer klassischen Männerbilderziehung entspricht, die im Feminismus durchaus bekämpft wird. Man also auch einen anderen Ansatz finden könnte.

    Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein


  • Naja, ich schrieb eigentlich schon "für mich", insofern habe ich niemand seine eigene Interpretation abgesprochen. Ich finde es halt einfach nur dümmlich, wenn wirklich alles aufs Pimpern runter reduziert wird. Zwischen den Geschlechtern gibt es auch noch mehr als Sex, auch wenn der Herr Lindemann das zumindest auf ein hohes Podest stellt.


    "Ein Mann weint nicht" wird übrigens nie gesungen, sondern "Ein Mann weint nur wenn seine Mutter stirbt", womit wir DOCH wieder beim Egoismus der Feministin sind. Denn sie erlaubt ihm NUR Emotionen, wenn es SIE betrifft. Recht eindeutig für mich.


    Hach, genau dafür liebe ich Rammstein-Texte, diese Diskussionen sind grandios!

  • "Zeig nie deine Tränen" "Du solltest dich schämen". "Nie" bezieht sich auf alle Lebenslagen.

    "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" auch so eine Binsenweisheit, die man Männern immer sagt. Alles Sätze, um sie hart zu machen, weil man das als Stärke versteht.

    Die Ausnahme gilt für die Mutter, weil sie sich als höchste Instanz im Leben des Sohnes versteht. Mütter tragen durchaus ihren Anteil an einer Machogesellschaft bei, würden aber nie die Erziehung so ausrichten, dass sie selbst Opfer davon werden (außer in dem Punkt, dass sie alles für den Sohn erledigen.)

    Wenn sie den Vater vertrieben hat, weil er ebenfalls weinte, dann weil er ihr zu schwach erschien.


    Übr lese ich in diesem Thread noch gar nicht explizit, dass es jemand in die Nähe von Sex gerückt hat. Das Wort "Missbrauch" umfasst doch vielmehr Bedeutungen als Vergwaltigung.

    Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein