Rammstein (Album 7) // VÖ 17.05.2019

  • Joa, weiss von einem Bekannten, dessen fünfjähriger Sohn in der Eisdiele aus dem Nichts lautstark "ich hätte Lust zu onanieren" zum Besten gab. Verstörte Blicke rundherum, leider fand der Kollege kein Mauseloch um sich drin zu verkriechen. Danach gabs dann kein Rammstein mehr im Autoradio wenn die Kinder dabei waren ^^

    🙈🙊🙉

  • Joa, weiss von einem Bekannten, dessen fünfjähriger Sohn in der Eisdiele aus dem Nichts lautstark "ich hätte Lust zu onanieren" zum Besten gab. Verstörte Blicke rundherum, leider fand der Kollege kein Mauseloch um sich drin zu verkriechen. Danach gabs dann kein Rammstein mehr im Autoradio wenn die Kinder dabei waren ^^


    Ich hätte mich totgelacht. Zu gut.

  • Nun ist es da, das Weiße Album von Rammstein, und so mancher Fan ist unzufrieden. Doch das muß nicht so bleiben. Denn auch ein Album, das man nicht mag und vielleicht nie mögen wird, kann objektiv ein gelungenes sein. Wie kann man der No. 7 und auch anderen Alben, die man zum erstenmal hört, Gerechtigkeit erweisen? Im folgenden werde ich sagen, wie ich, ein Kind von Sgt. Pepper, mich neuen Alben nähere und auch diesem genähert habe.



    Zunächst betrachte ich alle Stücke im Zusammenhang. Beginnt das Album so, daß der Anfang aufhorchen läßt? Sind die einzelnen Stücke so zusammengestellt, daß es abwechslungsreich klingt? Paßt das Ende eines Stücks zum Beginn des nächsten? Hat das Album von Anfang bis Ende einen Spannungsbogen? Wirken alle Stücke, so unterschiedlich sie auch sind, im Zusammenhang des Werks wie aus einem Guß? Endet das ganze Album so, daß ich erst einmal durchatmen muß und danach unwillkürlich das Bedürfnis habe, die ganze Scheibe noch einmal zu hören?


    So ist es noch nach 52 Jahren bei Sgt. Pepper von den Beatles, das diverse Stücke enthält, die nicht zu ihren besten zählen, und so ist es auch bei der No. 7 von Rammstein. Das erste Stück des Albums macht gespannt auf das, was folgt, und das letzte entläßt den Hörer musikalisch in die Unendlichkeit, aber eben nicht nur musikalisch. Denn das letzte Wort des Albums ist das Wort »Gesang«. Hier stellt sich unwillkürlich die Frage, ob dieses Wort und das, was wir gehört haben, zusammen einen Sinn ergeben.


    Dies können wir mit Ja! beantworten. Denn soweit ich das anhand der Reaktionen sehe, zweifelt keiner der Fans daran, daß Till auf diesem Album nicht nur mehr »gesungen« hat als auf den anderen Alben, sondern stimmlich auch besser denn je. Darin, daß er sich mit »Puppe« als Sänger selbst übertroffen hat, sind sich wohl alle einig, selbst wenn sie das Stück nicht mögen.


    Und wie ist es mit den einzelnen Stücken eines Albums? Auch hier muß wieder gefragt werden, ob die Teile eines Stücks (d.h. harmonisch und melodisch) einen Sinn ergeben, nämlich eine innere musikalische Logik und einen »Flow«. Den vermisse ich bei diversen LIFAD-Stücken (so etwa beim Titelstück oder bei »Wiener Blut«); hier vermisse ich sie nirgendwo. Spräche ich kein Wort Deutsch, so wüßte ich doch sofort, ob es sich um einen einen humoristischen Text handelt oder um einen düsteren, vielleicht sogar um einen, der schockieren könnte.


    Ob Till (oder ein anderer Texter) sich bei den Themen wiederholt, ist zweitrangig; denn die Themen wiederholen sich bereits, seit es Gedichte und Lieder gibt. Vgl. hierzu alte Volksliederbücher, vertonte Gedichtzyklen wie Schuberts »Winterreise« oder Songbooks aus allen Genres der U-Musik. Entscheidend für ein Musikstück ist nur, ob Text und Musik einander ergänzen und zusammen mit dem Arrangement, der Interpretation des Sängers und der Produktion ein stimmiges Ganzes ergeben. Dies ist auf diesem Album der Fall, auch und gerade bei »Was ich liebe«, dessen neues musikalisches Gewand sehr viel besser zum Text paßt als im gewohnten Demo.


    Nun müßte eine detaillierte Betrachtung der einzelnen Stücke folgen, nämlich anhand der Frage, ob Rammstein sich wirklich nur wiederholen, wie in den deutschen Feuilletons behauptet wird, oder – gemessen an ihrem bisherigen Repertoire – Neues gewagt haben. Dies ließe sich sehr schön anhand von »Zeig dich« zeigen. Der Text erinnert zwar als »Halleluja«, doch er enthält noch mehr als nur simple Kirchenkritik. Mn lese ihn ganz in Ruhe. Und die Musik? Man muß sich in der Popgeschichte seit den 50er Jahren auskennen, aber nicht nur dort, um ermessen zu können, was der Band hier gelungen ist. Sie hat nämlich Carl Orff, Phil Spectors dreieinhalb Minuten kurzes Meisterwerk »River Deep – Mountain High«, Duane Eddy und Rammstein auf einen Pop-Nenner gebracht, und dies im Rahmen eines Vierminutenstücks. Leute, die nichts von Musik verstehen, sind in diesem Fall schon einzig und allein daran zu erkennen, daß sie – wie manche »Kritiker« - hier von Gregorianik schwätzen. Damit aber hat der Chorgesang absolut gar nichts zu tun. Allen, denen er gefallen hat, sei dieses kurze Stück von Carl Orff empfohlen. Schon der Titel paßt zu Rammstein: »Ich hasse und ich liebe«. Was den unserer Band auch musikalisch verwandte E-Komponisten mit den Olympischen Spielen von 1936 (ergo indirekt mit Leni Riefenstahl) verbindet, können Interessierte bei Wikipedia nachlesen. Im englischen ist mehr über Orff zu finden als im deutschen.


    An dieser Stelle läßt sich bereits sagen, daß es sich bei Rammsteins Weißem Album um ein rundes Ganzes handelt, das jedoch – wie fast jedes Kunstwerk – nicht vollkommen ist. Auch ich hätte einiges zu kritisieren, doch das hier zu tun, würde zu weit führen. Welche der elf Stücke ein Hörer zu seinen Lieblingsstücken zählt, bleibt ganz ihm selbst überlassen. Doch eines sollte jeder verstehen, nämlich:


    Rammstein sind Künstler. Und Künstler sind nicht nur Dienstleister, die gefälligt machen sollen, wofür man sie bezahlt, sondern kreative Menschen, denen man die Freiheit lassen muß, dasjenige zu tun, wovon sie selbst glauben, daß sie es tun müßten. Daß Rammstein nicht mehr so »hart« und so »wütend« klingen wie in ihrer Anfangszeit, mag bedauerlich sein; doch auch Rockmusiker werden erwachsen und haben jenseits der 40 ein anderes Lebensgefühl und dementsprechend andere Prioritäten als zuvor. Dies ist der No. 7 deutlich anzuhören. Rammstein blicken zurück, spielen heiter mit alledem, was die Welt von ihnen erwartet, und haben ihr mehr gegeben als die meisten wahrhaben wollen, nämlich elf Stücke, die so unterschiedlich sind, daß sich unzählige Hörer nun darüber streiten. Dies zeigt in aller Deutlichkeit, daß ihr Weißes Album alles andere als eine langweilige Scheibe ist, und gilt gleichermaßen für Musik und Text, Interpretation und die »poppigere« Produktion. Ich bin mir ziemlich sicher, daß in einigen Jahren kaum noch jemand sagen wird, Rammsteins No. 7 sei auch qualitativ die No. 7 ihrer Alben.


    Ich betrachte dieses Album, all seinen tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Schwächen zum Trotz, als ein von vielen alten Fans speziell aus Deutschland jetzt noch unterschätztes, auf das alle, die künstlerisch dazu beigetragen haben, mächtig stolz sein können. Amen.

    "Was Rammstein machen, ist Kunst, und als solche sollte man sie rezipieren." (Torsten Rasch, Komponist, Rolling Stone 12/2011, S. 102)

    Einmal editiert, zuletzt von AlteFrau ()

  • Hab mir jetzt nochmal das ganze Album auf meiner 5.1 Surround Anlage angehört und muss sagen das mir die ersten Songs extrem gut gefallen. Ausländer ist auch noch ganz ok aber Sex ist schon nicht mehr ganz so prickelnd. Puppe ist dann nochmal ein absolutes Highlight aber ab der 2. Hälfte des Albums flacht die Scheibe doch deutlich ab. Was ich liebe ist gar nicht meins. Diamant ist ne kurze Ballade die ok ist aber kein Vergleich zu Ohne Dich oder Mutter. Weit Weg ist nochmal ganz geil aber Tattoo und auch Hallomann sind mehr oder weniger B Seiten. Nach 10 Jahren Pause hätte man da deutlich mehr rausholen können. Ich fand LIFAD deutlich härter, Schlagzeuglastiger und düsterer. Mehr Songs sind mir da direkt im Ohr hängen geblieben. Insgesamt gebe ich dem Album 4/5 und ich kann verstehen wenn viele Fans was anderes erwartet haben.

  • MehrR : Für die Länge hab ich mich schon entschuldigt. ist auch der Sache geschuldet dass ich nciht wusste wie man das zusammenfassen kann und eben einiges zu zu sagen habe/hatte.


    Und wer meine "Lebensgeschichte" klesen will, naja das möchte ich jeden selber entscheiden lassen ;)

    Wenn sie dir persönlich zu lange ist musst du sie ned lesen.


    Gangxxter : Mercie fürs zusammenfassen

    Ich wusste ned dass es schon einen eigenen Treath zu dem neuen Album gibt bzw hab ihn ned gefunden. Bei den anderen Alben wollte ich eh den jeweiligen Treatrh benutzen und ich kann das auch alles in Zukunft gern in dieser Zitatfunktion schreiben wenn das übersichtlicher/besser für die Länge geeignet ist. ich kannte die nur vorher ned :D

  • Bisher waren die meisten Meinungen zum Album hier wesentlich besser (ausführlicher, spannender, Respektvoller und besser aufgebaut) geschrieben als bei so mancher großen Presse/Fachpresse.

    Wir haben ja hier alle wohl auch mehr Ahnung von Musik als die ganzen Presse Futzis würde ich mal behaupten 😉🤷🏻‍♀️

  • Um jetzt hier nicht als Rabenmutter abgestempelt zu werden, ich hatte bisher nur die ersten zwei Songs an... Jetzt ist die Musik eh aus 🤷🏻‍♀️

    Das wäre nur passiert, wenn du diese "Stammelmusik auf Asi-Deutsch" (z.B. Capital Bra und wie sie heißen) hören würdest und damit alle belästigen würdest ;-) .

  • Das wäre nur passiert, wenn du diese "Stammelmusik auf Asi-Deutsch" (z.B. Capital Bra und wie sie heißen) hören würdest und damit alle belästigen würdest ;-) .

    Freiwild und Onkelz nicht zu vergessen. :thumbup:

    05.12.2011 - ISS Dome, Düsseldorf, Deutschland (Rammstein)

    09.07.2016 - Waldbühne, Berlin, Deutschland (Rammstein)

    24.05.2019 - Veltins-Arena, Gelsenkirchen, Deutschland - Tourprobe (Rammstein)

    27.05.2019 - Veltins-Arena, Gelsenkirchen, Deutschland (Rammstein)

    10.07.2019 - Stade Roi Baudouin, Brüssel, Belgien (Rammstein)

    06.02.2020 - Palladium, Köln, Deutschland (Lindemann)

  • Heute mittags ist das Album bei mir angekommen, bislang kam ich aber wegen beruflicher Tätigkeit und einer Beerdigung insgesamt erst zu einem Hördurchgang, der noch dazu durch die Beerdigung unterbrochen war. ;) Von diesem möchte ich aber jetzt mal meine Eindrücke schildern und dazu auch schon mal vorläufige Punktezahlen vergeben:


    Deutschland

    Kennen wir ja schon, das große Fass mach ich jetzt nicht auf. Im Albumvergleich muss ich sagen, dass es mir musikalisch sogar mit am besten gefällt. Das Riff in Kombination mit den Synthies und der Liedkomposition ist wirklich innovativ. Ich persönlich - da werd ich aber wohl fast der einzige sein - finde, wie schon mal erwähnt, das Thema nicht unbedingt adäquat behandelt, das mag aber auch an politischen Unterschieden zwischen mir und den Rammsteinern liegen. Ein schönes Stück Musik ist es dennoch, der Gesang hervorragend - und textlich werden zukünftige Historiker es vielleicht mehr als Dokument einer zerrissenen Gesellschaft sehen. Ach ja noch eins: Tendenziell fände ich es besser, wenn bei einem Album nicht die ersten zwei Titel schon vorab veröffentlicht werden, das nimmt irgendwie den Überraschungseffekt weg beim ersten Hören. Allerdings: Vom Sound bin ich auf der CD mehr angetan als auf Youtube.

    Punktezahl: 7.5 / 10


    Radio

    Ich war ja schon bei der Video-Veröffentlichung sehr zufrieden mit dem Lied und bin es auf der CD erst recht. Bzw. mir wird bewusst, dass es wirklich das stärkste Lied oder wenigstens einer der Höhepunkte des Albums ist. Die Kombination aus (durchaus hartem!) Riff und Elektronik erinnert an "Sehnsucht"-Zeiten, während der leicht-eingängige Refrain auch nicht anders als etwa bei "Ich tu dir weh" ist und deshalb das ganze Stück kaum als "poppig" bezeichnet werden kann. Ich liebe auch die Gesangsleistung. Dafür, dass das Thema Radio eigentlich eher "technisch-materiell" ist, ist es wirklich lyrisch gut behandelt! Ein wirklich gutes Stück Musik; ob es für eine Einstufung zu den ganz großen Rammstein-Liedern reicht, bezweifle ich derzeit noch etwas. Aber mit bspw. "Amerika" oder "Engel" kann es gut mithalten, und die zählen ja heute auch als Klassiker.

    Punktezahl: 9 / 10


    Zeig dich

    Geht flott und hart nach vorne, wenngleich in den Strophen nicht so sehr, wie ich ursprünglich erwartet hatte. Insgesamt ist es aber doch ein härteres Stück Musik, so wie man es von Rammstein auch tendenziell erwartet. Mir kam es aufs erste Mal so vor, als könnte der Gesang im Refrain etwas deutlicher sein, so geht er ein klein wenig unter - vielleicht täusche ich mich aber auch. Ein sehr ordentliches Lied, das das Album definitiv eher besser als schlechter macht. Aber auch ganz ehrlich: Auf früheren Alben wäre es kein Höhepunkt gewesen, vielleicht sogar eher untergegangen. Richtig "genial" finde ich es (noch) nicht.

    Noch kurz zum Text: Ja, wenn man das Thema wählt, kann man das so behandeln; schlecht gedichtet ist das nicht, wenn auch ohne lyrische Meisterleistung. Ich finde auch - selbst als Katholik - einige der Vorwürfe an die Kirche gerechtfertigt, zumindest teilweise. Allerdings stell ich mir bei so "kirchen-" oder "christentumskritischen" Texten immer die Frage, ob dieselben Künstler sich dieselbe harte Kritik auch an Judentum oder Islam getraut hätten. Das macht den Text nicht unberechtigt, aber wirklich mutig ist er nicht.

    Punktezahl: 7.5 / 10 (Tendenz zu 8 / 10)


    Ausländer

    Hier bin ich aufgrund der Beschreibungen im Netz schon ohne große Erwartung reingegangen, eher mit Bauchschmerzen. Ganz so schlimm wie schon befürchtet fand ich das Lied dann gar nicht mal. Im ersten Eindruck schwanke ich noch zwischen "witzig, mal so ein Spaß-Text zur Abwechslung" (tatsächlich musste ich etwas grinsen bei einigen Zeilen) und "einfach nur textlich platt und belanglos, musikalisch gefällt mir der starke Techno-Einfluss auch nicht wirklich". Der Stellenwert so eines Liedes kommt eben darauf an, wie das restliche Album ist. Wäre das Album voll von Höhepunkten, wäre "Ausländer" mal so als Witz-Nummer ganz akzeptabel. Finde es in seiner Funktion (!) schon ähnlich wie "Pussy", das aber auch nie einer meiner Lieblingstitel war.

    Punktezahl: 5.5 / 10


    Sex

    Finde ich besser als gedacht, aber auch nicht wirklich sehr stark bislang. Das Rock'n'Roll-Riff ist recht schön, aber trotz gutem Gesang fehlt mir ein wenig das "Beeindruckende" an dem Lied. So geht es im Vergleich zum bisherigen Rammstein-Opus trotz des plakativen Titels doch eher unter. Den Text find ich eigentlich noch recht ordentlich, wenngleich nicht sehr tiefgründig. Ein bisschen inkonsequent empfinde ich, dass man nicht recht weiß: Geht es um die Schönheit von Sex mit einer gut bestückten Frau - also nichts Skandalöses, eher etwas Nachvollziehbares ;) ? Aber warum muss sich das lyrische Ich dann überwinden, warum "mir wird schlecht"?

    Punktezahl: 7 / 10


    Puppe

    Das hat schon eine Wucht und der Text ist auch nicht übel, wenngleich es da auch Besseres von Till gibt. Irgendwie mag ich es schon, wie es zuerst sich ruhig und bedrohlich aufbaut und dann richtig loskracht inklusive schreiendem Till. Allerdings, im Vergleich zu "Wiener Blut", das hier auch schon als Vergleich herangezogen wurde, fehlt mir irgendwas bei der Umsetzung der lauten Refrain-Passagen, ich kann aber noch nicht recht sagen, was. "Wiener Blut" mag ich übrigens schon sehr gern, obwohl man es tatsächlich nicht ganz so oft hören kann, gerade wegen dem Geschrei und den Laut-Leise-Wechseln. Wenn man energetisch ist, ist es super, wenn man müde oder gestresst ist, geht es gar nicht. So ähnlich wird es hier wohl auch werden.

    Punktezahl: 8 / 10


    Was ich liebe

    Vorab: Ich liebe (haha) ja den Text seit jeher, der ist tiefgründig und schön, auch und gerade weil er mal nicht ein konkretes Fehlverhalten, Gewalt oder abweichende Sexualität, behandelt, sondern etwas "Inneres". Die Demo-Version fand ich immer besser als "Pussy", vor allem der Refrain passte da sehr gut zur Lyrik, man hätte für meinen Geschmack von der Demo nur die Strophen etwas musikalisch anreichern müssen und noch einen richtigen C-Teil einfügen. Die jetzige Version hat mich demgegenüber so ein klein wenig enttäuscht. Ist zumindest nichts "Besonderes" in Aufbau und Wachstum. Der Refrain ist schon recht gut, in den Strophen, zumindest am Anfang, gefällt mir nicht, dass hier der Drumcomputer (bin da generell kein Freund von) anstatt des Schlagzeugs agiert.

    Punktezahl: 7 / 10 (aber v.a. wegen dem Text, sonst weniger)


    Diamant

    Ouuuuh, schade. Das waren meine ersten Gedanken, als ich merkte, das Lied geht zu Ende. So ein schönes, besinnliches Lied, dazu ein für Rammstein ungewöhnlich netter, aber doch ordentlicher Text - aber dann kommt kein großer Refrain, kein opulenter Höhepunkt, stattdessen endet es viel zu schnell. Wirklich schade. Es fehlt der Pathos, den ich an Rammstein-Balladen so mag. Da kommt es als Ballade nicht nur nicht an "Mutter" oder "Ohne dich" ran (bei weitem nicht), sondern auch "Roter Sand" finde ich da am Ende spannender, besser zu Ende gebracht. Schön anzuhören, aber keine wirklich große Ballade.

    Punktezahl: 7 / 10


    Weit weg

    Gut, Voyeurismus als Thema, das hat noch gefehlt, außer bei "Feuer und Wasser" vielleicht. Ich find es textlich recht ordentlich bis gut, relativ verklausuliert und in der entscheidenden Passage ("mit einer Sonne in der Hand") metaphorisiert, wie oft bei Rammstein; der große Skandal wird nicht direkt ausgesprochen. Musikalisch besser, alias schwungvoller und rockiger, als ich ursprünglich dachte, auch wenn es nicht unbedingt sehr hart ist. Der Refrain inklusive Gesang ist stark. Hier ist mir aber erstmals schmerzhaft aufgefallen, dass das Alleinstellungsmerkmal "rollendes R" so ziemlich komplett fehlt. Da es eben zu Rammstein gehört, finde ich das schade.

    Punktezahl: 7 / 10


    (Teil 2 kommt gleich)