• Das gibt dem ganzen Liedgut "Sonne" eine ganz neue Wendung.

    🤣


    Da hatte ich natürlich nun nicht drüber nach gedacht

    Let me die without fear,
    As I have lived without it!

    So shut your mouth and spare my ears

    I'm fed up with all your bullshit

  • Gefällt mir mittlerweile mega gut 👍🏻 hat aber seine Zeit gebraucht.... Seit dem Konzert hab ich irgendwie großen Spaß gefunden an dem Song!!!

  • Mir ist gerade zufällig aufgefallen, dass das Lied auf dem Gedicht "Mitternacht" aus 'In stillen Nächten' basiert. ;)

    GUTER FUND!
    und da schreibt er doch tatsächlich statt der Sonne -PINSEL

    warum er das im song nicht macht bleibt mir unklar, genau wie diese nach wie vor grausige Bridge

    Rest des Songs find ich echt stark ;D

  • (...) musste ich so kichern.

    Du bist süß.


    @Topic

    Pinsel würde aber besser wortwörtlich ins Bild passen, denn das ist ja die ganze Zeit Thema.

    Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein


  • GUTER FUND!
    und da schreibt er doch tatsächlich statt der Sonne -PINSEL

    warum er das im song nicht macht bleibt mir unklar, genau wie diese nach wie vor grausige Bridge

    Der Text im Buch war zu lang für den Songtext, der (abgesehen von den Refrains und der Bridge) nur vier Strophen haben durfte und zur schwermütigen Musik passen mußte. Also hat Till nur die ersten beiden Strophen bis auf einen Vers unverändert übernommen und den Rest so umgeschrieben, daß die Atmosphäre des Songs erhalten blieb, was mit dieser Strophe


    Der Atem stockt das Herz schlägt wild
    sein Pinsel malt sich in ihr Bild
    von der Scheibe die beschlägt

    tropft etwas aufs Fensterbrett

    nicht der Fall gewesen wäre, ihres gar zu humoristischen Tones wegen.

    Die Bridge, die man grausig finden mag, hat durchaus ihren Sinn. Denn hier spricht nicht der Erzähler, sondern das lyrisches Ich des Refrains, also der Spanner, der seinen Allmachtsphantasien Ausdruck verleiht. Er stiehlt sich und seiner Angebeteten das Sonnenlicht, und dementsprechend 'hell' und 'leicht' klingt das Stück an dieser Stelle, bis der Gesang pausiert und es der Phantasie des Hörers überlassen bleibt, sich auszumalen, was passiert und was der 'Filmriß' zu bedeuten haben mag.

    "Was Rammstein machen, ist Kunst, und als solche sollte man sie rezipieren." (Torsten Rasch, Komponist, Rolling Stone 12/2011, S. 102)

  • Gefällt mir mittlerweile mega gut 👍🏻 hat aber seine Zeit gebraucht.... Seit dem Konzert hab ich irgendwie großen Spaß gefunden an dem Song!!!

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    Einmal editiert, zuletzt von Skazaam ()

  • Hab das mal in Spoiler gesetzt. Hab gerade erst den Spoiler Thread zur Tour gelesen...

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  • Ich meinte das es im Song besser klingen würde wenn ,,mit seinem Pinsel in der Hand" gesungen werden würde.

    Also deine 4 Zeilen des Gedichtes wollte ich so auch nicht im Song haben :D

    Naja und ich meine die Bridge verstanden zu haben (vor allem nachdem ich das Gedicht gelesen habe), aber ,,weil es immer dunkel ist, wenn der Mond die Sterne küsst" klingt für mich immer noch nach einer unheimlich schlechten Umschreibung für die Nacht.
    Klingt halt gedoppelt: Es ist dunkel, weil es Nacht ist.

  • Ich meinte das es im Song besser klingen würde wenn ,,mit seinem Pinsel in der Hand" gesungen werden würde.

    Also müßte die Strophe so lauten:

    Der Atem stockt - das Herz schlägt wild

    Malt seine Farben in ihr Bild

    Steht er da am Fensterrand

    Mit seinem Pinsel in der Hand


    Dies wäre dem Lied nicht dienlich, da sich der Eindruck aufdrängen wurde, es ginge um einen Maler. Daß man sich beim Pinsel auch den Penis denken könnte, wurde bereits gesagt. Im übrigen klingt "Mit seinem Pinsel in der Hand" nicht gut. Bis auf das nächtlich-dunkle /a/ wären nur /i/ und /ei/ und /e/ zu hören; das würde die Atmosphäre zerstören. Sprich den Vers mal laut und achte auch auf das /s/.

    Der Text der Bridge hat mich auch ein wenig gestört. Ich kann aber gut damit leben, weil die Verse klingen. Und das ist mir in 'lyrics' wichtiger als alles andere, sofern es nicht völlig daneben ist. Ohnehin empfinde ich Tills Verse nur selten als makellos. Von all den Lyrikern aber, die mir schon begegnet sind und Förderpreise und Stipendien bekommen haben (ich kenne ziemlich viele persönlich), hat es noch kein einziger geschafft, seine unverwechselbare eigene Sprache zu finden, so wie Till Lindemann. Welch ein Jammer, daß sein Vater nichts mehr davon mitbekommen hat.

    "Was Rammstein machen, ist Kunst, und als solche sollte man sie rezipieren." (Torsten Rasch, Komponist, Rolling Stone 12/2011, S. 102)

  • So ganz überzeugen mich die Begründungen nicht.


    Es muss doch einen tieferen Sinn haben, dass Till seinen (mehrere Jahre alten) Text extra nochmal umschreibt, anstatt den eigentlich passenderen Begriff Pinsel einfach beizubehalten. Zumal auf Sonne nichts gereimt wird d.h. es hätten sich doch hier verschiedene Synonyme zu Pinsel eher angeboten, als nun doch die eher weit hergeholte Sonne. Auch das Argument, dass es thematisch den Text in Richtung eines Malers gelenkt hätte, finde ich zu kurz gegriffen, da 1) Rammsteintexte sind zum Großteil Mehrdeutig interpretierbar, warum als nicht hier die Doppeltdeutigkeiten beibehalten. Der Text hätte mit dem Pinselbegriff ebenso als Voyeurismus interpretiert werden können. 2.) Überbleibsel des Malerthemas immernoch enthalten sind. So wirken Verse wie "Malt seine Farben in ihr Bild" irgendwie deplaziert und aus der Luft gegriffen.


    So ganz ergibt sich diese Wortänderung für mich deswegen noch nicht, ich will hier aber mal zwei Denkanstöße geben, vielleicht kann man darauf aufbauen:


    1.) Wird das Thema vom Maler hier verändert in Richtung eines Kontrastthemas zwischen dem Hellen (Sonne, Sterne, Licht) und dem Dunkeln (Nacht, dunkel). Vielleicht fand Till dieses Spiel mit Gegensätzen passender als zweite Ebene, da es in gewisser Weise die asynchrone Beziehung des Stalkers und seines Opfers repräsentieren könnte? Auch der Refrain bildet ja einen Kontrast "Weit Weg, Ganz Nah"


    2.) Manche Interpretationen weisen daraufhin, dass sich Till in seiner Lyrik bei Chiffren bedient. Z.B:


    https://www.jos-truth.de/2010/…%E2%80%93-mann-gegen-mann


    Demnach beschreibt man "Chiffren in der Lyrik als verschlüsselte Worte in Texten, die in sich eine andere oft komplexe Bedeutung bergen. So bleibt die tatsächliche Aussage nur Eingeweihten vorbehalten."

    Somit würde im Endeffekt nur Till wissen, was er mit Sonne meint. Hier könnte man den Versuch starten, den Sinn von Sonne in anderen Songtexten von Rammstein zu suchen und ggf. in Tills Gedichten. Z.b. Im Lied Sonne "Die Sonne scheint mir aus den Augen/ Händen", aber auch Songs wie Halt etc. haben den Begriff Sonne häufiger drinnen. Es wäre daher nicht abwegig, dass Till mit Sonne vielleicht eine ganz spezielle Sache im Sinn hat und der Begriff hier nicht nicht wahllos steht.


    Machen die Gedanken einigermaßen Sinn? Bei mir ist Weit Weg auch nach mehrmaligen Hören sehr gewachsen, mittlerweile ist er einer meiner Lieblingssongs auf dem Album :)

  • Ich möchte dir klar Recht geben!

    Das das Wort Pinsel nahezu humoristisch und demnach unpassend wirken würde ist auch mir bewusst, mein Problem liegt eher bei der ,,Sonne" -wahrscheinlich hätte mir jedes Wort besser gefallen.

    Ich habe einfach den Eindruck man hat auf diesem Album weniger auf die Lyrics gegeben und deswegen ist das für mich auch kein akzeptierbares R+Album, sondern eine art B-Seiten-Kollektion -und damit bin ich (vor Allem nach X-fachem hören) mehr als zufrieden.

    RAMMSTEIN ist wirklich meine liebste Band, ich stelle die Steine weit über Pink Floyd oder sonstiges, aber das ist völlig subjektiv.

    Deswegen aber enttäuscht mich so manch eine Zeile, da ich mehr erwartet habe und genau deshalb stört es mich regelrecht wenn ich so manch einen Fan höre, der wirklich meint das Album sei ein Meisterwerk. Dieses Recht will ich aber auch Niemanden absprechen.


    Das Schöne aber ist vor Allem, nach wie vor, egal wie wir zum neuen Album stehen, es läuft ja doch in Dauerschleife:saint:

  • Für mich ist der Song das Highlight. Ja er ist anders, hat für mich aber trotzdem einen Vipe, der mich absolut abholt. Sau melodisch und einfach schön ohne mich kitschig zu stören. Ist sofort im Ohr geblieben und ist nicht mehr weg gegangen. Wenn Ballade, dann so.

  • Mittlerweile hör ich ihn rauf und runter.... Anfangs konnte ich überhaupt nichts damit anfangen und jetzt geht er mir nicht mehr aus dem Kopf..... Richtig geiler Song!!!! Hätte ich nie gedacht.....

  • Master of Desaster , @Lessi Fare:


    Wir können davon ausgehen, daß Till den Pinsel mit Bedacht durch die Sonne ersetzt hat. Einen Hinweis auf den Grund liefert uns die Musik, und dazu habe ich bereits etwas angedeutet. Jetzt werde ich deutlicher. Also:

    Was in den ersten drei Strophen passiert, ist klar: ein Spanner beobachtet nachts die von ihm begehrte Frau und "spannt seine Fantasie zum Bogen". Er malt sich aus, eins zu werden mit der für ihn unerreichbaren Frau. Und nun die vierte Strophe:


    Der Atem stockt, das Herz schlägt wild

    Malt seine Farben in ihr Bild


    Er ejakuliert gegen die Fensterscheibe, so wie in Mitternacht. Im Songtext sagt Till das gleiche, aber mit einem einzigen Vers. Nach dem Orgasmus


    Steht er da am Fensterrand

    Mit einer Sonne in der Hand


    Mehr wissen wir an dieser Stelle nicht, außer: daß der Mann seine Angebetete noch immer nicht besitzt und darunter leidet. Dies kommt auch im folgenden Refrain zum Ausdruck. Die Spannung bleibt also (anders als in Millionen Popsong-Refrains) erhalten und wird sogar noch gesteigert, eben weil der letzte Vers der vierten Strophe so rätselhaft ist. Und nun müssen wir die Musik betrachten.


    Es folgt nämlich die 'heller' klingende Bridge, deren Text uns sagt, daß der Mann in einer der folgenden Nächte wieder am Fenster steht. Diesmal will er sich und der Frau seiner Träume das Licht der Sonne stehlen. Jetzt setzt die Rhythmusgruppe aus, und wir hören suggestives Geflüster: Ganz nah, so nah. Die Spannung steigert sich immer mehr; alle Instrumente pausieren; wir hören nur ein britzelndes Geräusch, mit dem wohl kein einziger Hörer des Songs gerechnet hat. Und nach diesem Geräusch setzen wieder alle Instrumente ein; zudem hören wir ein Gitarrensolo, dessen langgezogene Töne einen Bogen zum letzten Refrain spannen.


    Ich deute das musikalische Geschehen dahingehend, daß das Geräusch eine in Brand gesetzte Zündschnur ist, die Sonne in der Hand also nichts anderes als ein Molli, den der Spanner in hohem Bogen ins Haus seiner Geliebten wirft, um endlich mit ihr vereint zu sein, wenn auch nur im Tode. Ob er es wirklich tut oder nur im Bogen seiner Fantasie, bleibt dem Hörer überlassen. Ich gehe davon aus, daß er es tut oder tun wird. Zwar folgt noch einmal der Refrain, doch verkürzt:


    Ganz nah

    So weit weg von dir

    So nah

    So weit weg sind wir


    Der Text endet also damit, daß beide "weit weg" sind; es folgt nur noch ein instrumentaler Kommentar in Form eines harten Gitarrenriffs, so wie alle Welt es von Rammstein kennt. Allerdings führt das Riff nicht (wie normalerweise am Schluß eines Musikstücks üblich) auf den Grundakkord zurück, sondern bleibt hängen, bevor es wieder den sicheren Boden erreicht hat.


    Ein Hörer hat das Stück intuitiv ebenso gedeutet wie ich, nachdem ich mich beim zweiten Hören auf das Zusammenspiel zwischen Text und Musik konzentriert hatte. Er twitterte am 28. Mai: #WEITWEG minuten 3:27 ist reines feuer!!


    Kurz: Weit weg ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie aufmerksam man die scheinbar so leichtverständlichen Stücke von Rammstein hören muß, um zu erkennen, wie intelligent sie gemacht sind.


    "Was Rammstein machen, ist Kunst, und als solche sollte man sie rezipieren." (Torsten Rasch, Komponist, Rolling Stone 12/2011, S. 102)

    Einmal editiert, zuletzt von AlteFrau ()

  • Du bist süß.


    @Topic

    Pinsel würde aber besser wortwörtlich ins Bild passen, denn das ist ja die ganze Zeit Thema.

    Danke. Ich weiß.



    Ich kann es kaum glauben, dass immer noch wegen des Pinsels diskutiert wird - aber vielleicht, weil ich selbst Gedichte schreibe und anders mit Texten umgehe? In seinen Gedichten spielt Till nunmal mit anderen Worten, es gibt so einige Brüche im Lesefluss, die eben durch so Worte wie "Pinsel" kommen. Ich bin jetzt nicht daheim und hab die Gedichte nicht zur Hand... aber ich hab Werners Erinnerungen hier: Werner Lindemann malt in seinen Erinnerungen auch unglaublich schöne Bilder und haut dann zwischendurch amüsante Sprüche heraus. Beispiel, Semptember (erste Seite): "Auch heute möchte ich beim Anblich des wolkendurchwachsenen Himmels rufen: Mein Gott, ist das schön! (...) Die Stille ist so tief, daß ich hören kann, wie die Äpfel Sonne trinken." November: "Aus einem verdrießlichen Arsch fährt kein fröhlicher Furz, heißt es." Ich meine damit nicht, dass Till seinen Vater absichtlich nachahmt, sondern, dass er es zu überraschen versteht und zwar auf eine etwas schroffe Weise - es ist etwas kindlich und spontan - zack! Und da er ja sein Sohn ist, hat er diesen Umgang mit Text und Sprache. Vielleicht sind die Zeilen im Lied aus einem früheren Entwurf, ja, vielleicht hat er es für Weit Weg geändert - aber warum nicht? Warum sollte man das nicht tun? Es gibt für Bilder, Texte, Musik so viele Varianten und Rezepte... Abweichungen und Änderungen können zu neuen Ergbenissen führen (die man sehen und hören kann). Der Song wirkt durch die veränderten Zeilen so viel eleganter, zärtlicher und die Bilder bleiben so in der (eigenen) Fantasie nicht auf einer gefüllten Leinwand, die durch den Pinsel assoziert wird. AlteFrau Ich dachte ja bei Malt seine Farben in ihr Bild einfach, dass er intime/koitale Gedanken mit ihr hat, aber die Ejakulat-Interpretation ist definitiv da, vor allem wenn wir wissen, was in der Gedicht-Version steht. Das mit dem Molli (Molotovcocktail?!) finde ich persönlich etwas schade, aber auch ein bisschen lustig (in einer naiven Vorstellung wo Mann (Till) endlich die Schnauze voll hat, übertrieben die Mine verzieht, das Tuch anzündet, wirft und... zack, bum, tot.). Ansonsten bin ich so froh, dass du, liebe AlteFrau , uns mit deinen Ansichten beglückst (zumindest freue ich mich immer deine Beiträge zu lesen).


    So naaaaah, so weit weg sind wiiiiir, so naaaah... : D

  • Dankeschön für die schöne Ausführung!


    Ich hab mir den Song daraufhin auch nochmal angehört und kann mich nur anschließen. Das Lied wird sorgsam aufgebaut und findet an dieser Stelle seinen Höhepunkt. Ob nun wirklich ein Molotow weis ich nicht, aber definitiv entlädt sich da was.


    Weiterhin habe ich festgestellt, dass ich bei der Interpretation von Rammsteinsongs zu stark auf die textliche Ebene fokussiert bin. Alleine aus dem musikalischen Grundgerüst kann man schon sehr viel entnehmen, Hallomann finde ich da auch sehr spannend. Dankeschön dafür!

  • Finde bei diesem Text noch die Passage

    "wieder ist es Mitternacht..." Noch recht spannend.


    Hatte da schon Zusammenhänge gesucht, da mich der Bezug auf die "Planeten" (Sonne Mond Sterne) fasziniert.

    In diesem Kontext passt natürlich wieder folgendes:

    "

    Ganz nah

    So weit weg von hier

    So nah

    Weit, weit weg von dir

    Ganz nah

    So weit weg sind wir

    So nah

    Weit, weit weg von mir"


    Das hat mich nicht mehr losgelassen, auch deswegen liebe ich dieses Lied auch so.


    Vielleicht deute ich da auch zu viel rein, aber mir Gefällt der Gedanke, dass sich da mehr drum dreht als man beim ersten hören meint.



    Das mit den Gedichten erklärt auch so einiges, danke euch dafür!